Radu Lupu

Radu Lupu
© Klaus Rudolph

Ohne alle Erdenschwere

Der Pianist Radu Lupu im Porträt

Fotos: Klaus Rudolph und Priska Ketterer (rechts)
Text: Klaus Meyer

Er ist ein Pianist der Extra-Klasse: unvergleichlich, einmalig, phänomenal. Von seinen Fans wird er angebetet, seine Kollegen schwärmen nur in Superlativen von ihm. Für Daniel Barenboim ist er „einer der außergewöhnlichsten Musiker überhaupt“, für Yannick Nézet-Séguin repräsentiert sein Spiel „die ultimative Schönheit des Klangs – sprechend, singend, flüsternd, lachend und weinend und dabei unmittelbar unsere Herzen berührend“. Von Radu Lupu ist die Rede, nach dem legendären Dinu Lipatti ein weiterer Pianist der besonderen Art aus Rumänien.

Geboren wurde Radu Lupu am 30. November 1945 in Galati am linken Ufer der unteren Donau im Südosten Rumäniens. Er studierte zunächst am Konservatorium in Bukarest bei Florica Musicescu, die einst auch die Lehrerin von Dinu Lipatti gewesen war. Ein Stipendium führte ihn danach an das Moskauer Konservatorium, an dem Heinrich und Stanislaw Neuhaus zu seinen Lehrern gehörten. In den 1960er Jahren gewann Radu Lupu dann kurz hintereinander drei der wichtigsten internationalen Klavierwettbewerbe: 1966 den Van-Cliburn-Klavierwettbewerb, 1967 den George-Enescu-Wettbewerb und 1969 die Leeds Piano Competition. Es folgten bedeutsame, bahnbrechende Debüts, die den Anfang und die Stabilisierung der Weltkarriere markierten. 1969 gab er erstmals in London ein Solo-Rezital und unternahm wenig später mit dem London Symphony Orchestra eine Europa-Tournee. 1972 trat er erstmals in den USA in Erscheinung – mit dem Cleveland Symphony Orchestra unter George Szell und mit dem Chicago Symphony Orchestra unter Carlo Maria Giulini. Bei den Salzburger Festspielen debütierte er 1978 an der Seite der Berliner Philharmoniker unter Herbert von Karajan und kehrte dorthin mit den Wiener Philharmonikern unter Riccardo Muti 1986 zurück. 1995 wurde er mit dem Grammy und Edison Award ausgezeichnet.

Radu Lupu
© Priska Ketterer

Lauter magische Momente

Im Zentrum von Radu Lupus Repertoire steht die deutsch-österreichische Klassik und Romantik: Mozart, Beethoven und Schubert, Schumann und Brahms gehören zu den Konstanten seiner künstlerischen Existenz – vor allem Franz Schubert, zu dessen bedeutendsten und außerordentlichsten Interpreten er zählt. Die quälende Schönheit, die so häufig die Schubertsche Musik ausstrahlt, vermag Radu Lupu in der kontinuierlichen Folge magischer Momente ohne alle Erdenschwere mit überirdischer Leichtigkeit und phänomenaler Natürlichkeit zum Klingen zu bringen. Die Musik, die er macht, wird ihm zu Eigen. Sein Pianisten-Kollege András Schiff brachte es auf den Punkt, als er über Radu Lupu sagte: „Er denkt wie ein Komponist, er versteht die Struktur, die Form, die harmonische Sprache des jeweiligen Komponisten.“

Mönchische Ruhe

Dabei ist Radu Lupu alles Show-Gehabe fremd und zuwider. Unspektakulär kommt er auf die Bühne, verbeugt sich kurz, nickt dem Publikum zu und fängt mit seinem magischen Musizieren an, umgeben von einer gleichsam mönchshaften Aura der Ruhe und Kontemplation. Live-Mitschnitte mag der selbstkritische Perfektionist übrigens überhaupt nicht, und auch jenseits der Bühne bleibt er in respektvoller Distanz zu seinem Publikum: Interviews gibt er nicht gerne, und er hasst die exhibitionistische Selbstdarstellung in Talkshows. Radu Lupu – ein Pianist, ein Musiker, ein Mensch der ganz besonderen Art.

Di, 26. März 2019, 20 Uhr,
Heinrich-Lades-Halle, Großer Saal