Nemanja Radulović

Paganini redivivus

Der Geiger Nemanja Radulović im Porträt

Nemanja Radulovic

Von der Macht der Musik

 

Fotos: Charlotte Abramow / Deutsche Grammophon
Text: Klaus Meyer

Man muss ihn live gesehen haben, man muss ihn live gehört haben! Er ist ein einzigartiges Phänomen: Nemanja Radulović, der zirzensische Teufelsgeiger mit der extravaganten Erscheinung: schwarze, wallende Locken, gruftiges Gothic-Styling und ein Geigenspiel, bei dem man seinen Augen und Ohren nicht traut: So atemberaubend! So unglaublich! So virtuos! So muss es gewesen sein, als Paganini seinerzeit sein Publikum in Staunen versetzte. Nemanja Radulović – Niccolò Paganini redivivus.

Wenn er mit seinem Ensemble „Les Trilles du Diable“ den berühmten Csárdás von Monti mit schwindelerregender Geläufigkeit spielt oder den Serbischen Volkstanz „Pasona Kolo“ oder eine andere der vielen Adaptionen südosteuropäischer Folklore, dann geht die Post derartig ab, dass die Bühne vibriert und dem Publikum der Atem stockt. Nemanja Radulović, ein feurig-virtuoser Gipsy-Geiger? Nein, darauf lässt er sich keineswegs reduzieren. Ein strenges, klassisches akademisches Studium hat der 1985 im damals noch jugoslawischen Niš geborene Serbe hinter sich – zunächst in Belgrad bei Dejan Mihailovic, dann an der Musikhochschule Saarbrücken bei Joshua Epstein und schließlich am Pariser Conservatoire bei Patrice Fontanarosa. Außerdem besuchte er Meisterklassen von Yehudi Menuhin und Salvatore Accardo. Nemanja Radulović war Preisträger beim Joseph-Joachim-Violinwettbewerb in Hannover, beim George-Enescu-Wettbewerb in Bukarest, beim Antonio-Stradivari-Wettbewerb in Cremona und beim Wieniawski-Lipinski-Wettbewerb in Polen.

Nemanja Radulović spielt Geige

Sein Durchbruch gelang ihm 2006, als er für den erkrankten Maxim Vengerov kurzfristig einsprang und mit dem Orchestre Philharmonique de Radio France unter Myung-Whun Chung das Beethoven-Violinkonzert spielte. Mittlerweile hat sich Nemanja Radulović ganz oben etabliert, konzertiert in der ganzen Welt, spielt Mendelssohn mit dem Prager Kammerorchester, Paganini mit den Münchner Philharmonikern, das Tschaikowsky-Violinkonzert mit dem Borusan Philharmonic Orchestra, und manchmal greift er sogar zur Bratsche – so etwa, wenn er mit seinem eigenen Orchester „Double Sens“ das Violakonzert von Henri-Gustave Casadesus spielt. Bei der Deutschen Grammophon steht er exklusiv unter Vertrag. Seine Aufnahmen stürmen die Bestseller-Listen, werden weltweit gefeiert und mit höchsten Auszeichnungen prämiert. Als Teenager hatte Nemanja Radulović die Schrecken der Jugoslawienkriege gespürt und erstmals die Macht der Musik als trostspendende Gegenwelt verstanden. Eine Erfahrung, die sein Musizieren auch bei allem zirzensischen Virtuosenzauber bis heute immer prägt: „Für mich ist es das Wichtigste“, sagt er, „Menschen mit meiner Musik glücklich zu machen und meine Zuhörer zu bewegen. In der Musik, die ich spiele, sollen sie die Energie und die Emotionen spüren.“

Nemanja Radulović spielt Geige vor rotem Hintergrund
Nemanja Radulović Portrait mit Geige

Mo, 28. Januar 2019, 20 Uhr,
Heinrich-Lades-Halle, Großer Saal