© Toni Petraschk
Sonar Quartett

unerHÖRT!, FV

Sonar Quartett und Niederndorfer Saitenmusik

Mittwoch, 24. Februar 2021, 20 Uhr
Palais Stutterheim, Innenhof
Rathausplatz 1, 91052 Erlangen

Sonar Quartett und Niederndorfer Saitenmusik
Wojciech Garbowski, Violine
Susanne Zapf, Violine
Nikolaus Schlierf, Viola
Cosima Gerhardt, Violoncello
und
Theresia Richter, Hackbrett
Dr. Franz Bauer, Zither
Werner Obermayer, Gitarre

Walter Zimmermann
10 Fränkische Tänze

Walter Zimmermann
„Keuper“

Walter Zimmermann
„Songs of Innocence & Experience“ Fränkische Volksmusik

„Das Lokale ist das Universale“

„Das Lokale ist das Universale“ schrieb der Komponist Walter Zimmermann, als er ab 1977 begann, eine neue Musiksprache aus Partikeln der Volksmusik seiner Heimat Franken zu destillieren. Seine „Lokale Musik“ wurde zu einem Markenzeichen im frühen Œuvre des Komponisten, der 1949 in Schwabach geboren wurde und bis 2014 Professor für Komposition an der Hochschule der Künste Berlin war.

Der Zyklus der „Lokalen Musik“ (1977-1981) enthält zwei Werke für Streichquartett – ihnen widmet sich das Sonar Quartett in der Reihe unerHÖRT! in einer spannenden Begegnung mit originalen fränkischen Volkstänzen, präsentiert von der Niederndorfer Saitenmusik.

Zu Walter Zimmermanns „Lokaler Musik“ gehören „10 Fränkische Tänze sublimiert für Streichquartett“. Sublimieren bedeutet veredeln, ins Erhabene steigern. Und das erreicht der Komponist, indem er die Melodien der Volkstänze mithilfe von Flageolett-Griffen spielen lässt, bei denen die nur leicht auf die Saite aufgelegten Finger einen hohen, schwebenden, ätherischen Klang erzeugen. Ein weiteres Streichquartett trägt den Titel „Keuper“ und spiegelt den Charakter des gleichnamigen Gesteins wider. Der Keuper ist typisch für weite Teile Frankens und „wird allgemein als ernst, verschlossen, karg, wüstenhaft bezeichnet, was etwas von der Introvertiertheit der Landschaft vermittelt“, so Walter Zimmermann. Musikalisch basiert „Keuper“ auf verschiedenen Zwiefachen, die einen allmählichen Auflösungsprozess durchlaufen.

Walter Zimmermanns Sublimierungen und Transformationen treffen im Konzert auf die traditionelle Volksmusik, ursprünglich und faszinierend, wie sie in Franken bei geselligen Anlässen immer noch praktiziert wird – weitergetragen von Generation zu Generation. Beide verbinden gemeinsame Wurzeln, die bei Walter Zimmermann bewusst durchklingen, aber stark abstrahiert werden. Er überträgt die bodenständigen Melodien in ort- und zeitlose Klänge, das Lokale ins Universale.

Als dritten Programmpunkt interpretiert das Sonar Quartett noch das Streichquartett „Songs of Innocence & Experience“ (1996/2004), inspiriert durch Gedichte von William Blake. Ihren Gehalt verdeutlichen Kinderlieder, die Walter Zimmermann in den 1990er Jahren in den Straßen von Nürnberg aufgenommen und mit allen Fehlern transkribiert hat. Die „Songs of Innocence & Experience“ bringen ganz gut auf den Punkt, was Zimmermann in seiner Musik zu ergründen sucht: den Kern des Komplexen im Einfachen, die tiefsten Gründe des Lebens und der Kunst – doch ohne hohles Pathos, sondern ganz subtil und mit feinem Pinselstrich.

Text: Wolfgang Schicker

Sonar Quartett
© Piort Bialoglowicz
Sonar Quartett

Seit seiner Gründung 2006 tastet das Sonar Quartett immer wieder die Ränder der klassischen Musik ab, es erschafft Utopien und improvisiert Klangabdrücke, deren Nachhall schon den Weg zum nächsten notierten Werk nährt. Die vier in Berlin lebenden Musiker verstehen sich als komponierendes Streichquartett, das weit über vermeintliche Genregrenzen hinausgreift, indem es sich auch der eigenen Körper, elektronischer Verstärkung und Verfremdung bedient oder auch bildkünstlerische Werke in Klang verwandelt. Neue Musik geht mit dem Sonar Quartett über das Hör- und Sichtbare hinaus, sie wird für die Spielenden und für die Zuhörer gleichermaßen zu einem taktilen Erlebnis.

In seiner derzeitigen Besetzung spielt das Sonar Quartett seit 2012 zusammen. Künstlerisch inspiriert und aufgehoben fühlen sich die vier starken Charaktere in ihrer Viersamkeit, weil sie einander „ständig aufs Neue anstacheln und fordern“ (Wojciech Garbowski, Violine) und verschiedenste Ideen „in einem Schmelztiegel heiß verkochen, was in ein lebendiges, pulsierendes Konzerterlebnis auf höchstem Niveau mündet“ (Nikolaus Schlierf, Viola). Eine neue Komposition ist für die Musiker reizvoll, wenn sie „musikalisch und technisch herausfordernd“ ist (Susanne Zapf, Violine). „Und wenn der Komponist oder die Komponistin nicht nur durchdacht, sondern auch empfunden hat, was er aufgeschrieben hat“ (Cosima Gerhardt, Violoncello). „Nichts und niemand hilft Dir, eine neue Partitur zu interpretieren; keine Aufnahme, kein anderer Musiker, allein unser Gespür und unsere Erfahrung machen, dass sie zum Leben erweckt wird. Das ist großartig und macht uns als Musiker frei.“ Weit über 100 Uraufführungen teils selbst in Auftrag gegebener Werke hat das Sonar Quartett bereits realisiert.

Einflüsse holen sich die vier Musiker international in der Welt der Neuen Musik. Neben Auftritten bei den Berliner Festivals Ultraschall Berlin, MaerzMusik, dem Forum Neuer Musik des Deutschlandfunk, dem Siemes Arts Program, dem Bachfest Leipzig und den Wittener Tagen für neue Kammermusik führt seine Konzerttätigkeit das Sonar Quartett immer wieder auch ins Ausland. Etwa zu den Festivals London Ears, Gaudeamus Utrecht, Présences Paris, Tage Neuer Musik Zürich, Pan Music Festival Seoul, Festival Musiiki Aika (Finnland), Huddersfield Contemporary Music Festival, Era Schaeffera Warschau, KLANG Kopenhagen Avantgarde Music Festival, Nauriz XXI Almaty (Kasachstan), Festival de Musica de Morelia (Mexiko), Open Days Aalborg. In Almaty und in Morelia gab das Sonar Quartett darüber hinaus Workshops, eine Tätigkeit, die es zukünftig ausweiten möchte.

Der direkte Austausch mit dem Publikum ist dem Sonar Quartett ein hohes Anliegen, es gehört zum Selbstverständnis seiner Rolle im zeitgenössischen Musikleben genauso wie die aktive und direkte Zusammenarbeit mit Komponisten. Informelle Hauskonzerte im kleinen Rahmen wie ihre „Sonar Sessions“ öffnen Einblicke in den Erarbeitungsprozess neuer Werke. Seit 2008 veranstaltet das Quartett eine Konzertreihe in der eigenen Stadt, zunächst im kleinen Rahmen, bald schon mit Unterstützung des Hauptstadtkulturfonds. Das Publikum lauscht dem „Klang des Möglichen“ und kann an der Repertoirebildung der Zukunft mitwirken. Anlässlich seines zehnjährigen Bestehens widmeten sich die Musiker der „Utopie Streichquartett“, die wiederum in die Reihe „Ränder“ mündete. Nach wie vor lotet das Sonar Quartett Grenzen aus, um diese vielleicht doch noch ein wenig zu verschieben. Es bewegt sich noch weiter hinein in den Bereich des Nicht-Hörbaren, Nicht-Spielbaren, des Unerträglichen, des emotional scheinbar nicht mehr Erfassbaren. Ein immer wieder wichtiges Untersuchungsfeld ist den vier Klangforschern das Improvisieren. „Ein Abwarten, Erwarten und Reagieren. Und dann ein Hineinhören und Hineinfühlen in das, was schon da ist und in das, was kommen wird“, so beschreiben die vier Musiker das innere Gefühl beim Improvisieren. Und eine gedachte Mathematik von Improvisation als „Achse mit vier Richtungen“, über die sich ein „Dialog zwischen dem Kopf und Herzen des Einzelnen mit der Wahrnehmung des Spiels der Anderen“ spannt. Während dieses „Treibenlassens zwischen den Tönen“ löst sich die Grenze zwischen dem Individuum und den anderen mehr und mehr auf.

Wer dem Sonar Quartett bei all diesen Erkundungen zuhört, der wächst bei jedem Konzert mit ihm zusammen über sich selbst hinaus.

Niederndorfer Saitenmusik
© Niederndorfer Saitenmusik
Niederndorfer Saitenmusik

Die Niederndorfer Saitenmusik gibt es nunmehr seit 28 Jahren. Wir sind ein Trio, das sich aus Theresia Richter (Hackbrett), Franz Bauer (Zither) und Werner Obermayer (Gitarre) zusammensetzt. Anfänglich spielten wir fast ausschließlich alpenländische Volksmusik, später kam die fränkische Volksmusik dazu. Heute gehören auch Stücke zu unserem Repertoire, die aus der Feder klassischer Komponisten stammen und sich für Saitenmusik gut eignen. Wir treten zu den verschiedensten Anlässen auf und haben bei mehreren CD-Produktionen mitgewirkt. 2007 und 2014 spielten wir eine ganze Anzahl von Stücken im Studio des Bayerischen Rundfunks in Nürnberg ein. Auch bei Live- Veranstaltungen  des BR sind wir immer wieder zu hören. Für unser Engagement  im Bereich der Volksmusik wurden wir 2011 mit dem Volksmusikpreis der Hanns-Seidel-Stiftung in Kloster Banz ausgezeichnet. Im gleichen Jahr brachten wir unsere 1. CD-Produktion „A ruhige Stund“ heraus. Im Dez. 2012 wählte der Bayrische Rundfunk, Studio Franken, uns zum 2. Mal, nach 2007 zur Gruppe des Monats aus. Im Dez. 2016 wurden wir erstmals vom  BR-Fernsehen in die Sendung "Unter unserem Himmel" - Adventliche Lieder und Weisen - aus der Pfarrkirche Hilpoltstein eingeladen.

Konzertsaal

Bürgerpalais Stutterheim, Innenhof

Bürgerpalais Stutterheim Blick von oben in den Innenhof bei einer Veranstaltung
Bürgerpalais Stutterheim Innenhof bei Tag

Dieses Konzert wird vom Bayerischen Rundfunk – Studio Franken mitgeschnitten und auf BR-Klassik gesendet.

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