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Einzelticket Verkauf startet ab 24. Juni.

unerHÖRT!, FV

SoloVoices

Mittwoch, 05. Februar 2020, 20 Uhr
Palais Stutterheim, Innenhof
Marktplatz 1, 91054 Erlangen

Drei Frauen und drei Männer sitzen im Kreis. Im Schneidersitz. Barfuß. unerHÖRT? Nein, Karlheinz Stockhausen hat dies für sein Werk „Stimmung“ genau so vorgegeben – und so soll es auch in Erlangen sein!

SoloVoices
Svea Schildknecht, Sopran
Francisca Näf, Mezzosopran
Anne-May Krüger, Mezzosopran
Jean-Jacques Knutti, Tenor
Christian Zehnder, Bariton
Jean-Christophe Groffe, Bass
Florian Bogner, Klangregie

Karlheinz Stockhausen
„Stimmung“ – für 6 Sänger und 6 Mikrophone

Spirituell und sinnlich

Es ist ein kompositorisches Pionierwerk für die New-Age- und Hippie-Bewegung und eines der bedeutendsten Vokalwerke des 20. Jahrhunderts: Karlheinz Stockhausen (1928-2007) hat „Stimmung für sechs Vokalisten und sechs Mikrophone“ im Jahr 1968 geschrieben. Zu dieser Zeit lebte er mit seiner Frau, der Künstlerin Mary Bauermeister, und den beiden gemeinsamen Kindern auf Long Island an der Ostküste der USA. In Stockhausens Werk „Stimmung“ bündeln sich Erfahrungen und Ereignisse der vergangenen Monate und Jahre. Mary Bauermeister berichtete später, dass Stockhausen den damals einjährigen Sohn Simon Obertöne hat singen hören. Der Komponist begann daraufhin, mit dem mehrstimmigen Obertongesang zu experimentieren.

„Stimmung“ entstand auch unter dem Einfluss der Reisen, die der Komponist in den Monaten und Jahren zuvor unternommen hatte: Als Gastprofessor an der University of California in Davis hatte er die Kultur der Hippies und der friedlichen Happenings kennengelernt. Auf Reisen nach Asien kam Stockhausen mit dem Buddhismus in Berührung. Die in der westlichen Subkultur aufkommende Idee der gemeinschaftlichen Selbstverwirklichung in einer friedlichen Umgebung und die Spiritualität östlicher Meditation finden sich in „Stimmung“ wieder. Stockhausen führt hier die formale Bestimmtheit kompositorischer Regeln und den intuitiven Charakter meditativer Erfahrungen zusammen. Dabei macht der Komponist klare Vorgaben für die Aufführung: Sechs Sänger – drei Frauen und drei Männer – sitzen im Kreis um eine Lichtquelle, im Schneidersitz. Sie sollen barfuss sein und helle Kleidung tragen. Jeder Sänger, jede Sängerin hat ein eigenes Mikrophon. Der erste Ton des Werks, der Grundton, kommt aus der Tiefe: Es ist das Kontra-B, das anfangs über die Lautsprecher brummt. Andere Töne kommen hinzu, allesamt Obertöne der Naturtonreihe über diesem B. Der Obertongesang über dem immer gleichen Akkord, wechselnde Rhythmen, meditatives Pulsieren und Stakkato-Wortfetzen bieten ein einmaliges akustisches Erlebnis, einen meditativen Klangrausch. In diesen akustischen Teppich werden einzelne Silben, Götternamen und Bruchstücke eines von Stockhausen selbst verfassten erotischen Gedichts eingewoben. Es ist ein spirituelles und sinnliches Werk zugleich. Der Titel des Werkes, „Stimmung“, ist dabei in seiner Mehrdeutigkeit Programm: Es geht um die Stimmung des Hörbaren, des Klanges, um das, was sich außen wahrnehmen lässt. Gleichzeitig steht das Wort für das Innere, den Zustand der Seele eines Individuums oder einer Gruppe. Das Schweizer Ensemble „SoloVoices“ begibt sich in Karlheinz Stockhausens Stimmung. Und hat dafür mit Musikerinnen und Musikern zusammengearbeitet, die „Stimmung“ mit Karlheinz Stockhausen einstudiert hatten. Das etwa siebzigminütige Werk ist längst ein Klassiker der Vokalmusik des 20. Jahrhunderts und bietet ein Klangerlebnis, das man am besten live erleben sollte.

Text: Eleonore Birkenstock

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Für das Ensemble SoloVoices haben sich 2007 zwei Sängerinnen und zwei Sänger zusammengefunden, die sich solistisch mit vorrangig zeitgenössischer Musik beschäftigen. Alle vier SängerInnen verbindet eine Affinität zu und eine grosse Erfahrung mit zeitgenössischer Musik. SoloVoices führt avancierte Literatur und Uraufführungen von Werken für solistische Stimmen auf, bezieht Instrumente, visuelle Medien, szenische Konzepte oder Elektronik mit ein und konfrontiert neuere mit älterer Vokalmusik. SoloVoices entwickelt eigene Projekte, arbeitet mit KomponistInnen zusammen und erteilt Kompositionsaufträge. In Zusammenarbeit mit Marc Garcia Vitoria und dem ICST (Institute for Computer Music and Sound Technology) an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK, Prof. Germán Toro-Pérez) widmet sich SoloVoices der Wiederaufführung von Werken für Stimmen und Elektronik, die zwischen 1980 und 2000 komponiert wurden.

Unter den zahlreichen Uraufführungen von SoloVoices befinden sich u.a. Werke von Matthias Heep, Hans-Peter Frehner, Hans-Jürg Meier, Lukas Langlotz, Daniel Ott, Darija Andovska, Mike Svoboda, Hans-Martin Linde, Thomas Kessler, Roland Moser, Kevin Juillerat, Isabel Mundry, Marc Garcia Vitoria, Karin Wetzel, Nicolas Buzzi, Rudolf Kelterborn,Verena Weinmann und Balz Trümpy.

SoloVoices wurde von bedeutenden Festivals und Veranstaltern eingeladen, darunter Culturescapes (Basel), Contrapunkt St.Gallen, musica aperta (Winterthur), KlangBasel, Festival Rümlingen, IGNM Basel, Imago Dei (Krems, A), Lucerne Festival und Stockhausen Stiftung für Musik.

SoloVoices besteht zur Zeit aus der Besetzung Svea Schildknecht (Sopran), Francisca Näf, Anne-May Krüger (Mezzosopran), Jean-Jacques Knutti (Tenor), Christian Zehnder (Bariton), Jean-Christophe Groffe (Bass) und Florian Bogner (Klangregie).

Konzertsaal

Bürgerpalais Stutterheim, Innenhof

Bürgerpalais Stutterheim Blick von oben in den Innenhof bei einer Veranstaltung
Bürgerpalais Stutterheim Innenhof bei Tag

Dieses Konzert wird vom Bayerischen Rundfunk – Studio Franken mitgeschnitten und auf BR-Klassik gesendet.

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