© Josephin Böttger
Nelly Boyd Kreis

Exklusiver Abo-Vorverkauf ab 28. Mai.
Einzelticket Verkauf startet ab 24. Juni.

unerHÖRT!, FV

Nelly Boyd Kreis

Mittwoch, 16. Oktober 2019, 20 Uhr
Palais Stutterheim, Innenhof
Marktplatz 1, 91054 Erlangen

Wenn das Nelly Boyd Ensemble, ein Hamburger Künstler-Kollektiv, in Erlangen die Hörgewohnheiten hinterfragt, entsteht ein Sog, bei dem die Zeit stillzustehen scheint. Es wäre unerHÖRT, sich diesem Experiment nicht hinzugeben!

Nelly Boyd Kreis
Moxi Beidenegl,
Stimme, percussion
Robert Engelbrecht, Violoncello, E-Gitarre, percussion
Jan Feddersen, Klavier, E-Gitarre, Elektronik, percussion
Johann Popp, E-Gitarre, percussion

Alvin Lucier
„Criss-cross“ (2013)

Morton Feldman
„Durations 2“ (1960)

John Cage
„Four6“ (1992)

James Tenney
„for percussion perhaps, or....(night)“ (1971)

Phill Niblock
„Tow by Tom“ (2005)

Sonderbar? Wunderbar!

„Die Zeit, die ist ein sonderbares Ding“ reflektiert die Marschallin gedankenverloren im Rosenkavalier von Hugo von Hofmannsthal und Richard Strauss – eines der berühmten Opernzitate, die auch weit über Werk und Handlung hinaus Verwendung gefunden haben. Für das Konzert mit dem Nelly Boyd Ensemble könnte es Pate stehen: Alle zu hörenden Werke beschäftigen sich eingehend mit dem Faktor Zeit, genauer gesagt mit dem Experimentieren rund um die Wahrnehmung von Zeit.

Im Mittelpunkt stehen die beiden großen Künstler der sogenannten New York School: John Cage und Morton Feldman. Seit ihrem ersten Zusammentreffen 1950 haben sie Wege gesucht und gefunden, „Neues“ und nicht selten im doppelten Sinn „Unerhörtes“ aufs Papier zu bringen, sei es durch grafische Notation (Feldman), sei es durch das präparierte Klavier und den Zufall als kompositorisches Prinzip (Cage). Während bei Morton Feldman in seinen „Durations“-Werken die Instrumente vorgegeben sind, lässt John Cage das in seinen „Number-Pieces“ manchmal offen. Beiden gemein ist, dass die Dauer der Töne und Klänge, quasi der Puls des Stücks, variabel ist, je nachdem, wie sich die Interpreten entscheiden. Dazu kommt das sensible Spiel mit kleinsten Verschiebungen und Reibungen, sodass ein Klangteppich entsteht, der wie ein Sog wirkt – und die Zeit stillzustehen scheint.

Umrahmt werden Cage und Feldman von Komponisten der US-Avantgarde, die alle maßgeblich von den beiden geprägt wurden. Alvan Lucier, James Tenney und Phill Niblock sind drei der Veteranen der elektronischen Klangkunst zwischen klassischer Komposition und moderner Performance. In ihren Stücken untersuchen sie die menschliche Wahrnehmung von Klang im Raum anhand der Kopplung von analogem Spiel und elektronischer (Re)produktion. Hier werden auf mikrotonaler Ebene Hörgewohnheiten hinterfragt, Klangflächen subtil übereinander geschichtet und miteinander verwoben, Zeitebenen verschoben. „Sonderbar“ im besten Sinn, eine eindrucksvolle Entdeckungsreise mit dem Nelly Boyd Ensemble, einem Hamburger Künstler-Kollektiv, das sich seit seiner Gründung 2004 mit spannenden Konzept-Programmen international einen Namen gemacht hat.

Text: Johann Jahn

Nelly Boyd Kreis
© Josephin Böttger
Nelly Boyd Kreis

Der Nelly Boyd Kreis ist ein Hamburger Ensemble und Komponistenkollektiv und wurde 2004 gegründet. Die Mitglieder stammen aus verschiedenen Disziplinen wie bildender Kunst, klassischer Komposition, elektroakustischer Musik, Rock und freier Improvisation.

Als Kollektiv realisiert Nelly Boyd wechselseitig die musikalischen Ideen seiner Mitglieder. Als aufführendes Ensemble erforscht Nelly Boyd seine musikalischen Einflüsse durch Komponisten der europäischen und amerikanischen ‚klassischen‘ Avantgarde. Häufig werden dazu auch Gastmusiker eingeladen.

Die Programme haben oft konzeptionellen Charakter und arbeiten stark mit der jeweiligen Aufführungssituation. Das Ensemble spielte u. a. Werke von John Cage, Morton Feldman, Terry Riley und James Tenney und arbeitete mit den Komponisten Alvin Lucier, Phill Niblock, Christian Wolff sowie mit dem Cellisten Charles Curtis für eine autorisierte Aufführung von La Monte Youngs Composition 1960 # 7.

Phill Niblocks Werk One Large Rose wurde speziell für Nelly Boyd komponiert; eine Aufnahme erschien 2009 als Teil der CD Touch Strings bei Touch Records (London). Niblocks Werk Tow By Tom erschien in einer Aufnahme mit dem Trio Scordatura aus Amsterdam und Nelly Boyd 2014 auf der DVD Brazil 84 auf Mode Records (New York). Eine Aufnahme von Christian Wolffs For 1, 2 or 3 People erschien 2011 auf der CD Christian Wolff: Kompositionen 1950-1972 bei Edition RZ (Berlin).

Nelly Boyd spielt regelmäßig auf den Festivals „Blurred Edges“ und „klub katarakt“ in Hamburg. Auftritte und Gastspiele u. a. im Podewil (Berlin), bei Experimental Intermedia (New York), in der Serpentine Gallery (London), Rote Fabrik (Zürich), im Issue Project Room (New York), Hangar Bicocca (Mailand), Bozar (Brüssel), MaerzMusik (Berlin) usw.

Als Seitenprojekt entstand 2009 Boyds Elektro Gitarren Orchester, das sich Musik für bislang bis zu 12 E-Gitarren, E-Bass und Schlagzeug widmet. Neben eigenen Kompositionen führte BEGO Werke von Lois V Vierk und James Tenney auf und arbeitete mit Rhys Chatham zusammen.

Konzertsaal

Bürgerpalais Stutterheim, Innenhof

Bürgerpalais Stutterheim Blick von oben in den Innenhof bei einer Veranstaltung
Bürgerpalais Stutterheim Innenhof bei Tag

Dieses Konzert wird vom Bayerischen Rundfunk – Studio Franken mitgeschnitten und auf BR-Klassik gesendet.

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