© Frank Rossbach
Minguet Quartett

unerHÖRT!, FV

Minguet Quartett und Jens Peter Maintz

Mittwoch, 23. März 2022, 20 Uhr
Programmeinführung 45 Minuten vor Konzertbeginn
Palais Stutterheim, Innenhof
Marktplatz 1, 91052 Erlangen

Minguet Quartett und Jens Peter Maintz
Ulrich Isfort, Violine
Annette Reisinger, Violine
Tony Nys, Viola
Matthias Diener, Violoncello
und
Jens Peter Maintz, Violoncello

Henri Dutilleux
„3 Strophes sur le nom de Sacher“ (1976) pour violoncelle solo

Wolfgang Rihm
13. Streichquartett (2011)

Sofia Gubaidulina
Streichquartett Nr. 1 (1971)

Wolfgang Rihm
Epilog für Streichquintett (2012/2013)

Minguet Quartett
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Glückwunsch! Sofia Gubaidulina – Wolfgang Rihm

2000 brach ein neues Jahrtausend an. Nachdem der befürchtete Kollaps der Infrastruktur an Neujahr ausgeblieben war, startete das große Bach-Jahr zur 250. Wiederkehr seines Todes. Die Internationale Bachakademie Stuttgart lud fünf der bedeutendsten zeitgenössischen Komponistinnen und Komponisten ein, jeweils eine Passion zu schreiben, darunter Sofia Gubaidulina und Wolfgang Rihm.

22 Jahre später bringen das Minguet Quartett und der Cellist Jens Peter Maintz in der Reihe unerHÖRT! die Musik von Sofia Gubaidulina und Wolfgang Rihm aus Anlass ihrer runden Geburtstage wieder zusammen: Gubaidulina wurde im Oktober 2021 90 Jahre alt, Rihm feierte im März 2022 seinen 70. Geburtstag. Beide blicken auf ein Schaffen zurück, das bleibende Wirkung hinterlassen hat.

Gubaidulinas 1. Streichquartett von 1971 ist sehr gestenreich, durch viele Glissandi entsteht in der Fantasie die Vorstellung von fließenden Tanzbewegungen, von Armschwüngen und Körperdrehungen. Die Klangsprache reicht von Anklängen an psalmodierenden Sprechgesang über meditative und sphärische Flächen bis zu virtuosen, wilden Solopassagen der einzelnen Instrumente.

Das 13. Streichquartett von Wolfgang Rihm aus dem Jahr 2011 greift eine Traditionslinie auf, die über die Zweite Wiener Schule zurück bis zu Beethoven reicht: das Streichquartett und seine schlanke Vierstimmigkeit als genuiner Ort von ausgefeilter motivisch-thematischer Arbeit. Im ersten Takt stellt Rihm den motivischen Kern vor, der dem ganzen Werk zugrunde liegt. Dieser Kern wird ununterbrochen variiert, modifiziert und weiterentwickelt. Gubaidulina und Rihm: Auf ihre je eigene Art und Weise zeigen sie, dass die nach dem Zweiten Weltkrieg oft totgesagte, als Überbleibsel reaktionären Spießertums verunglimpfte Gattung lebendig ist wie nie.

Eingerahmt werden die beiden Quartette von einem Solostück von Henri Dutilleux und einem Epilog für Streichquintett von Wolfgang Rihm. Dutilleux‘ „3 Strophes sur le nom de Sacher“ basieren wie Rihms Streichquartett ebenfalls auf einem melodischen Kern. Bei Dutilleux ist er aus den Namensbuchstaben des Schweizer Dirigenten und Musikmäzens Paul Sacher gebildet. Er hatte in die Eigentümerfamilie des Pharmakonzerns Hoffmann-La Roche eingeheiratet und gehörte zeitweise zu den reichsten Menschen der Welt. Einen Großteil dieses Vermögens steckte er in die Förderung zeitgenössischer Komponisten, die er mit Aufträgen unterstützte. Henri Dutilleux bedankte sich auf seine Weise: mit der Komposition der „3 Strophes“ zum 70. Geburtstag Sachers.

Text: Dr. Wolfgang Schicker

Minguet Quartett
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Minguet Quartett

Das Minguet Quartett - gegründet 1988 - zählt heute zu den international gefragtesten Streichquartetten und gastiert in allen großen Konzertsälen der Welt, wobei seine so leidenschaftlichen wie intelligenten Interpretationen für begeisternde Hörerfahrungen sorgen – „denn die Klang- und Ausdrucksfreude, mit der das Ensemble die Werke zur Sprache bringt, belebt noch das kleinste Detail“ (Frankfurter Allgemeine Zeitung). Namenspatron ist Pablo Minguet, ein spanischer Philosoph des 18. Jahrhunderts, der sich in seinen Schriften darum bemühte, dem breiten Volk Zugang zu den Schönen Künsten zu verschaffen: Das Minguet Quartett fühlt sich dieser Idee mehr denn je verpflichtet.

Das Minguet Quartett ist Gast der Salzburger Festspiele 2020 und 2021. Ein Konzert beim Kissinger Sommer 2020 konnte coronabedingt nicht realisiert werden. Zukünftige Projekte ab 2020/21 umfassen u.a. Konzerte in der Kölner Philharmonie, der Bayerischen Akademie der Schönen Künste München, der Meistersingerhalle Nürnberg und der Conway Hall London, beim Internationalen Brucknerfest Linz, den Tutzinger Brahmstagen, den Meister & Kammerkonzerten Innsbruck, bei L'association Pour l'Art Lausanne und den Festspielen Herrenchiemsee.

In der Saison 2019/20 gastierte das Ensemble zuletzt beim Grafenegg Festival, dem Schwetzinger Mozartfest, der Internationalen Stiftung Mozarteum Salzburg, dem Festival Ultraschall Berlin und De Doelen Rotterdam. Ferner stand eine ausgedehnte USA-Tournee mit Station in Washington DC auf dem Programm. Das Jahr 2019 beinhaltete Gastspiele bei der Kammermusikwoche Schloss Elmau, im Lincoln Center New York, SouthBank Centre London, Wiener Konzerthaus, in der Philharmonie Skopje, beim Nymphenburger Sommer München, Mozartfest Würzburg und beim Internationalen Schubert-Fest Dortmund. 2018 war das Quartett zu Gast in der Elbphilharmonie Hamburg, beim Beethovenfest Bonn, den Schwetzinger Festspielen, Badenweiler Musiktagen, bei EuroArt Prag sowie beim Mosel Musikfestival u.a. sowie darüber hinaus Dozenten-Ensemble in residence an der Hochschule für Musik und Tanz Köln. Vorangegangene Spielzeiten führten in die Berliner Philharmonie, die Staatsoper Berlin, das Konzerthaus Berlin, die Alte Oper Frankfurt, das Muziekgebouw Amsterdam, die Library of Congress Washington DC und The University of Hong Kong, zum Festival d'Automne Paris, BOZAR MUSIC Brüssel, zum Tongyeong International Music Festival Korea sowie zu weiteren Festivals und in große Konzertsäle innerhalb Europas, in Japan, Mittel- und Südamerika, Kanada und den USA.

Das Minguet Quartett konzentriert sich auf die klassisch-romantische Literatur sowie die Musik der Moderne gleichermaßen und engagiert sich durch zahlreiche Uraufführungen für Kompositionen des 21. Jahrhunderts. Begegnungen mit bedeutenden Komponisten unserer Zeit inspirieren die vier Musiker zu immer neuen Programmideen. Die erstmalige Gesamtaufnahme der Streichquartette von Wolfgang Rihm, Peter Ruzicka und Jörg Widmann zählen zu den bedeutendsten Projekten. Anlässlich des 70. Geburtstages des Komponisten Manfred Trojahn erschien im Herbst 2019 die Ersteinspielung seines einstündigen 2. Streichquartetts mit Klarinette und Mezzosopran nach Gedichten von Georg Trakl auf CD. Ein Höhepunkt der letzten Jahre war die Aufführung von Karlheinz Stockhausens Helikopter-Streichquartett im Rahmen eines Konzeptes des Dirigenten Kent Nagano. Programmatische Schwerpunkte 2021/22 werden u.a. die runden Geburtstage von Alexander Zemlinsky, Sofia Gubaidulina, Wolfgang Rihm und Glenn Gould sein.

Partner des Minguet Quartetts sind u.a. die Sopranistin Juliane Banse, die Mezzosopranistin Tanja Ariane Baumgartner, der Bariton Dietrich Henschel, die Klarinettisten Matthias Schorn und Thorsten Johanns, die Pianisten Michael Korstick und Matthias Kirschnereit, der Bratschist Gérard Caussé, die Cellisten Jens Peter Maintz und Christoph Richter sowie der Bandoneonist Victor Villena. Als Solistenquartett musizierte das Ensemble mit dem WDR Rundfunkchor, den Rundfunksinfonieorchestern DSO, des SR, hr und WDR sowie dem Brucknerorchester Linz unter den Dirigenten Jukka-Pekka Saraste, Markus Stenz und Peter Ruzicka. Weitere solistische Kooperationen folgen mit dem ORF Radio-Symphonieorchester Wien unter Ilan Volkov im Rahmen der Salzburger Festspiele 2021, mit den Nürnberger Symphonikern sowie der Deutschen Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern.

Mit der aktuellen CD-Gesamteinspielung der Streichquartettliteratur von Felix Mendelssohn Bartholdy, Josef Suk und Heinrich von Herzogenberg (Label cpo) präsentiert das Minguet Quartett seine große Klangkultur und eröffnet dem Publikum die Entdeckung eindrucksvoller Musik der Romantik. Im April 2020 erschien eine CD mit Streichquartetten von Emil Nikolaus von Reznicek, in den kommenden Jahren wird das Ensemble die vollständige Kammermusik von Heinrich Kaminski und Walter Braunfels sowie Musik von Alberto Evaristo Ginastera und das einzigartige Streichquartett von Glenn Gould auf CD vorlegen.

2010 wurde das Minguet Quartett mit dem ECHO Klassik sowie 2015 mit dem renommierten französischen Diapason d'Or des Jahres ausgezeichnet, im Juni 2020 für das Stipendium RELOAD der Kulturstiftung des Bundes ausgewählt.

Konzertsaal

Bürgerpalais Stutterheim, Innenhof

Bürgerpalais Stutterheim Blick von oben in den Innenhof bei einer Veranstaltung
Bürgerpalais Stutterheim Innenhof bei Tag

Dieses Konzert wird vom Bayerischen Rundfunk – BR Franken mitgeschnitten und auf BR-Klassik gesendet.

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