© JF Mousseau
Kit Armstrong

Abo I, FV

Junge Deutsche Philharmonie

(Kit Armstrong/André de Ridder)

Montag, 27. September 2021, 20 Uhr
Programmeinführung 45 Minuten vor Konzertbeginn
Heinrich-Lades-Halle, Großer Saal
Rathausplatz 1, 91052 Erlangen

Ein Konzert der besonderen Art: Im Herbst ist die Junge Deutsche Philharmonie zu Gast beim gVe – das „Bundesstudentenorchester“, das stets ein Garant für musikalische Höchstleistungen ist und sich dabei mit jedem Profiorchester messen kann. Nach Erlangen kommen die jungen Leute mit gleich zwei absoluten Ausnahmemusikern. Der eine ist André de Ridder, Jahrgang 1971, der deutsche Dirigent, der überwiegend im angelsächsischen Sprachraum arbeitet – gefeiert als „einer der tollkühnsten Dirigenten der Welt“, wie das New Yorker Wall Street Journal schrieb. Der andere Ausnahmemusiker ist Kit Armstrong, das englisch-taiwanesische Multitalent, noch keine 30 Jahre alt. Kein Geringerer als Pianisten-Altmeister Alfred Brendel sagte über ihn, er sei „die größte musikalische Begabung, der ich in meinem ganzen Leben begegnet bin.“

Junge Deutsche Philharmonie
Kit Armstrong, Klavier
André de Ridder, Leitung

Wolfgang Amadeus Mozart
Konzert für Klavier und Orchester Nr. 22 Es-Dur KV 482

Bryce Dessner/Woodkid
Three hundred and twenty

Robert Schumann
Sinfonie Nr. 4 d-Moll op. 120 (Originalfassung von 1841)

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© JF Mousseau

"Something Special"

Musik und Meeresfrüchte

Geboren wurde Kit Armstrong 1992 als Sohn einer Taiwanesin und eines Engländers in Los Angeles. Als Fünfjähriger fing er mit dem Klavierspielen und Komponieren an, mit acht begann er, an der kalifornischen Chapman University Musik und Physik zu studieren. Mathematik und Biologie kamen an der Utah University hinzu. Sein musikalisches Studium komplettierte er am Curtis Institute in Philadelphia und an der Royal Academy of Music in London sowie als Privatschüler von Alfred Brendel. „Ich bin einfach ein neugieriger Mensch.“ Mit diesen Worten erklärt Kit Armstrong seine phänomenale Mehrfachbegabung als Naturwissenschaftler und Musiker. Als solcher ist er nicht nur ein gefeierter Weltklassepianist , sondern auch ein eloquenter Musikverbalisierer, dazu seit Kurzem Dirigent und darüber hinaus Organist – zumal in der ehemaligen Kirche im nordfranzösischen Hirson, die er sich 2012 kaufte und die er in den Sommermonaten für Konzertveranstaltungen nutzt. Und dann hat Kit Armstrong auch noch ganz andere Interessen. Die Origami genannte Kunst des Papierfaltens gehört dazu, aber auch die Kochkunst, wobei seine Vorliebe den Meeresfrüchten gilt – „ganz einfach gedünstet, gebraten oder auch roh gegessen.“ Und er fügt hinzu: „Es gibt auf dieser Welt weniges, was in mir solch überragende Gefühle erregt.“

Mozart-Juwel

Als Konzertpianist beherrscht Kit Armstrong ein ungewöhnlich breites Repertoire. Es beginnt schon bei den Renaissancemeistern William Byrd und John Bull und reicht bis zu György Ligeti und darüber hinaus. Beim gVe spielt Kit Armstrong, der 2016 als Artiste Étoile im Mittelpunkt des Würzburger Mozartfestes stand, das „himmlisch längste“ aller Klavierkonzerte des Wiener Klassikers aus Salzburg – das Juwel in Es-Dur KV 482 mit dem festlich-majestätischen Kopfsatz, dem hintergründigen c-Moll-Andante und dem elegant beschwingten Finale mit dem quälend schönen Andantino-cantabile-Einschub.

Schlanker, leichter, filigraner

Nach der Pause schlagen dann André de Ridder und die Junge Deutsche Philharmonie zunächst eine ganz spezielle Brücke in die Vergangenheit: „Three hundred and twenty“ beschwört die Zeit vor 320 Jahren, als der französische Komponist und Organist Nicolas de Grigny lebte und wirkte. Für eine Damenmodenschau von Louis Vuitton 2020 entstand das kurze Orchesterstück, komponiert von dem vielseitig schillernden englischen Gegenwartskomponisten Bryce Dessner und seinem Kollegen Yoann Lemoine alias Woodkid. Es ist „something special“, wie auch der letzte Programmpunkt: Schumanns 4. Sinfonie in der selten zu hörenden Erstfassung – schlanker, leichter, filigraner als die berühmte, wuchtig kompakte Endfassung. Ein ganz neues Schumann-Erlebnis.

Text: Klaus Meyer

Kit Armstrong
© JF Mousseau
Kit Armstrong

Kaum ein Musiker verdient den Titel „Ausnahme‐Künstler“ wie der 1992 in Los Angeles geborene Kit Armstrong. Von der Süddeutschen Zeitung als „Staunen erregend, nur als musikalisches Phänomen zu charakterisierend“ beschrieben, begeistert der erst 27‐Jährige weltweit nicht nur auf höchstem künstlerischem Niveau am Klavier, sondern auch an der Orgel, am Dirigentenpult und als gefragter Komponist. Seit frühester Jugend verzaubert Armstrong das Publikum in Sälen wie dem Musikverein Wien, Concertgebouw Amsterdam, der Philharmonie Berlin, der Hamburger Elbphilharmonie, der NHK Hall Tokio oder dem Palais des Beaux‐Arts Brüssel.

Armstrong arbeitet mit bedeutenden Dirigenten wie Christian Thielemann, Herbert Blomstedt, Riccardo Chailly, Kent Nagano, Manfred Honeck, Esa‐Pekka Salonen, Mario Venzago und Thomas Dausgaard zusammen und war bereits bei einigen der wichtigsten Orchester der Welt zu Gast, darunter die Wiener Philharmoniker, die Staatskapelle Dresden, das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, das Gewandhausorchester Leipzig, das NHK Symphony Orchestra Tokio und die Academy of St Martin in the Fields. Bei den Festspielen Mecklenburg‐Vorpommern war Kit Armstrong im Sommer 2018 Preisträger in Residence. Das Musikkollegium Winterthur hat ihn zum „Artist in Resonance“ berufen. 2018 erhielt er den Beethoven‐Ring von der Gesellschaft „Bürger für Beethoven“ in der Nachfolge von Igor Levit.

Als passionierten Kammermusiker verbinden Kit Armstrong enge künstlerische Partnerschaften mit anderen herausragenden Instrumental‐ und Vokalsolisten, darunter Renaud Capuҫon, Daniel Müller‐Schott, das Quatuor Ebène, Armida Quartett, Christiane Karg und Julian Prégardien. Als Organist war er bereits in der Berliner Philharmonie und der Kölner Philharmonie zu erleben. Mit seinen Kompositionen hat sich der vielseitige Künstler ebenso weltweit einen Namen gemacht. Kompositionsaufträge erhielt Armstrong u. a. vom Gewandhaus zu Leipzig, der Schubertiade Hohenems, BASF Ludwigshafen, Konzerthaus Dortmund und dem Musikkollegium Winterthur. Die Kompositionen von Kit Armstrong werden bei Edition Peters verlegt.

Kit Armstrongs Solodebüt‐CD mit Werken von Bach, Ligeti und Armstrong erschien im September 2013 bei Sony Classical: für das kulturradio (rbb) „eine der ganz wenigen CDs, auf die die Welt gewartet hat.“ Auch sein zweites Solo‐Album „Symphonic Scenes“, 2015 bei Sony Classical erschienen, erhielt begeisterte Kritiken für die Interpretation dieses ungewöhnlichen Programms von Klavierwerken, die Liszt überwiegend für Orchester komponiert hatte.

Am Curtis Institute of Music in Philadelphia nahm Kit Armstrong sein Musikstudium auf, das er an der Royal Academy of Music in London weiterführte und absolvierte. Seit seinem siebten Lebensjahr studierte er außerdem Kompositionslehre an der Chapman University und Physik an der California State University, später Mathematik und Chemie an der University of Pennsylvania und am Imperial College London. Ein Mathematikstudium schloss er auch an der Universität von Paris VI mit einem Master ab. Im Alter von 13 Jahren lernte Kit Armstrong Alfred Brendel kennen, der ihn seither als Lehrer und Mentor stark geprägt hat. Die einzigartige Beziehung zwischen Armstrong und Brendel wurde in dem Film des britischen Regisseurs Mark Kidel Set the Piano Stool on Fire festgehalten.

Kit Armstrong lebt sowohl in Wien als auch im französischen Hirson in der ehemaligen Kirche Sainte‐Thérèse‐de‐l’Enfant‐Jésus, wo er regelmäßig Konzerte veranstaltet.

André de Ridder
© Marco Borggreve
André de Ridder

„One of the world’s most daring conductors.“ (Wall Street Journal)

André de Ridder nimmt eine besondere Stellung unter den Dirigenten unserer Zeit ein. Seine stilistische Versiertheit vom Barock bis zur zeitgenössischen Musik sowie seine besonderen Projekte und Kollaborationen machen ihn zu einem weltweit gefragten Künstler. Er gastiert regelmäßig bei Festivals wie den BBC Proms, den Holland, Sydney und Manchester International Festivals und bei Orchestern wie dem New York Philharmonic, dem BBC Symphony Orchestra, dem Orchestre de Paris, Rotterdam Philharmonic Orchestra, dem Orchestre symphonique de Québec, dem Orquestra Simfónica de Barcelona, Cincinnati Symphony Orchestra oder dem Concertgebouworkest. De Ridder ist künstlerischer Leiter des Musica Nova Festivals Helsinki. Im Jahr 2018 erhielt er für seine Arbeit als künstlerischer Kurator beim Londoner Spitalfields Festival einen „Royal Philharmonic Society Award“.

Ebenfalls aktiv in den Bereichen Oper und Musiktheater, haben sich zwischen dem „livewire conductor“ (The Times) und einigen der wichtigsten Opernkomponisten der Gegenwart wie Kaija Saariaho, Daníel Bjarnason oder Michel van der Aa enge künstlerische Beziehungen entwickelt. Ebenso dirigiert André de Ridder Opern wie „Die Zauberflöte“, „Herzog Blaubarts Burg“ oder „Nixon in China“. In den vergangenen Spielzeiten hat er dabei mit Regisseuren wie Kasper Holten, Barrie Kosky, Peter Sellars, Marco Štorman und Enda Walsh an Häusern wie dem Staatstheater Stuttgart, der Finnish National Opera, der Dutch National Opera, der Irish National Opera und der Den Jyske Opera zusammen gearbeitet. In dieser Saison dirigiert er Gerald Barry’s „Alice’s Adventures Underground“ an der Irish National Opera und folgt einer Wiedereinladung der Staatsoper Stuttgart, wo er die „Faustszenen“ von Schumann dirigieren wird.

2013 gründete de Ridder das Musikerkollektiv s t a r g a z e, dessen Repertoire Projekte von Bach über Beethoven bis zu Avantgarde-Elektronik und zeitgenössischer klassischer Musik umfasst. Das Musikerkollektiv hat mittlerweile eine breite Anhängerschaft gefunden und wird regelmäßig in die führenden Konzerthäuser weltweit eingeladen; dazu zählen unter anderem das Barbican Centre London, die Philharmonien Köln und Paris sowie die Elbphilharmonie Hamburg.

Junge Deutsche Philharmonie
© Achim Reissner
Junge Deutsche Philharmonie

Das Zukunftsorchester

Dürfen wir vorstellen? Die Junge Deutsche Philharmonie alias das „Zukunftsorchester“ – kreativ, lebendig und voller Tatendrang, die Musikwelt von morgen zu gestalten! Unser Orchester versammelt die besten Studierenden deutschsprachiger Musikhochschulen zwischen 18 und 28 Jahren, die mit Herzblut Musik machen und Zukunftsvisionen kreieren. Wir musizieren mit den höchsten künstlerischen Ansprüchen, entwickeln für unser Festival FREISPIEL experimentelle Konzertformate und touren regelmäßig in die größten Konzertsäle Europas und weltweit. Seit 2014 begleitet Jonathan Nott uns als Erster Dirigent und Künstlerischer Berater.

Der Fokus auf zeitgenössische Musik ist unserem Orchester seit der Gründung 1974 in die DNA geschrieben. Warum? Weil wir Grenzen testen, traditionelle Hörgewohnheiten aufbrechen und die Klangwelten der Musik voll auskosten wollen. So nehmen wir unser Publikum mit auf Entdeckungsreise und sorgen dafür, dass das Konzerterlebnis im Gedächtnis bleibt. Neben zeitgenössischer Musik stehen das große sinfonische Repertoire und historische Aufführungspraxis auf dem Programm.

Als Zukunftsorchester zählen wir zu den Vorreitern demokratisch strukturierter Klangkörper. Heißt: Wir machen fast alles selbst! Jede/r von uns hat die Möglichkeit, sich in Gremien wie dem Vorstand oder dem Programmausschuss aktiv ins Orchestermanagement einzubringen. Unsere Leidenschaft fürs Musizieren geben wir in Musikvermittlungsprojekten weiter, z. B. durch Konzerteinführungen und Schulbesuche auf Tourneen oder durch langfristige Kooperationen mit Schulen im Rhein-Main-Gebiet. Horizonterweiternde Projekttage und die Probenarbeit mit erfahrenen OrchestermusikerInnen machen uns fit fürs (Berufs-)leben. Denn die Junge Deutsche Philharmonie schlägt die Brücke zwischen Studium und Beruf und ist für viele Profi-Orchester ein wichtiges Gütesiegel der Ausbildung.

Kein Wunder also, dass zahlreiche unserer ehemaligen Mitglieder in den Reihen der führenden Orchester zu finden sind oder Professuren an Musikhochschulen innehaben. Nachhaltigen Einfluss auf den Kulturbetrieb nehmen aber auch die Ensembles, die aus der Jungen Deutschen Philharmonie hervorgegangen sind. Dazu zählen die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen, das Ensemble Modern, das Ensemble Resonanz oder das Freiburger Barockorchester.

Ausgezeichnet und anerkannt wird unsere Arbeit u. a. durch die Schirmherrschaft der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien Monika Grütters, die regelmäßigen Einladungen der Berliner Philharmoniker in die Berliner Philharmonie, die seit 2015 bestehende Patenschaft mit den Bamberger Symphonikern, die Unterstützung unseres Kuratoriums, Freundeskreises, unserer Förderer und Sponsoren und zuletzt durch den Gewinn des Binding-Kulturpreises 2020.

Konzertsaal

Heinrich-Lades-Halle

Heinrich-Lades-Halle Erlangen, Innen
© Detlef Overmann | EKM GmbH
Großer Saal, Heinrich-Lades-Halle
© Detlef Overmann | EKM GmbH

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