© Andrej Grilc
Hsin Huei Huang

unerHÖRT!, FV

Hsin-Huei Huang

Mittwoch, 27. Mai 2020, 20 Uhr
Palais Stutterheim, Innenhof
Marktplatz 1, 91054 Erlangen

unerHÖRT, was die Pianistin Hsin-Huei Huang mit Ihnen vorhat: Ein Abend mit drei höchst ambitionierten Auslotungen des Klavierklangs. Ein Abend, bei dem nicht nur die Hände, sondern vor allem auch die Füße im Fokus stehen.

Hsin-Huei Huang
Klavierabend

Rebecca Saunders
shadow

Morton Feldman
Palais de Mari

Helmut Lachenmann
Serynade

Hand und Fuß

Die Pianistin Hsin-Huei Huang widmet sich ...drei Klavierstücken von Rebecca Saunders, Morton Feldman und Helmut Lachenmann, in denen die Pedale zu gleichberechtigten Partnern der Tasten werden, von bloßen Werkzeugen für Klang­effekte zu virtuos eingesetzten Klanggestaltern.

„Shadow“ heißt das Klavierstück von Rebecca Saunders, die jüngste unter den Komponisten des Konzerts – eine „detaillierte Erkundung des Sostenuto-Pedals und des Fortepedals“, wie sie schreibt. Die Pedale beeinflussen die Resonanz der Klänge, erschaffen „Farbwolken“ und werfen so die im Titel angedeuteten klanglichen „Schatten“.

In Morton Feldmans Klavierstück „Palais de Mari“ muss das rechte Pedal, das Forte- oder Haltepedal, das gesamte Stück über gedrückt bleiben. Der verschwimmende Klang zusammen mit der leisen, hauchzarten Dynamik taucht das Stück in eine sanfte Atmosphäre. Die Töne der Zweiklänge und Akkorde – die rhythmisch immer wieder minimal gegeneinander verschoben werden – scheinen zu atmen und lassen beim Hören vergessen, dass sie mechanisch erzeugt worden sind.

Eine ähnliche Wirkung erzielt Helmut Lachenmann, der die Kunst des Pedalgebrauchs in seinem Stück Serynade auf die Spitze treibt – ein Ständchen („Serenade“), in das sich mit dem Y die Initiale der Widmungsträgerin Yukiko Sugawara eingeschmuggelt hat. Lachenmann verzichtet in diesem Stück ganz auf die Erweiterung des Klangspektrums durch Geräusche und konzentriert sich voll auf den Akkord und sein Verklingen – durch bis ins feinste ausdifferenzierte Anschlagsnuancen und Pedalisierungen. So nutzt er ausgiebig das mittlere Pedal, das Sostenuto-Pedal. Mit ihm kann man einzelne Töne lang aushalten, während die anderen gleichzeitig nur kurz erklingen – so wandelt sich etwa durch die unterschiedliche Länge der Töne eines Akkords auch sein Klangcharakter. Weitere Techniken sind stumm niedergedrückte Tasten, die beim Anschlagen der Nebentöne mitschwingen oder Flageoletts. Auf diese Weise entstehen ständig changierende, verschwimmende Klangfelder aus einschwingenden und ausschwingenden Akkorden, die es im Unklaren lassen, was gerade noch klingt und was schon.

Die Pianistin Hsin-Huei Huang, geboren in Taiwan, studierte in Graz, Salzburg und Linz und lebt heute in Wien. Sie ist eine der versiertesten Interpretinnen der zeitgenössischen Klaviermusik und hat sich in diesem Bereich ein riesiges Repertoire erarbeitet. Eine Pianistin, bei der jede Interpretation Hand und Fuß hat.

Text: Wolfgang Schicker

Hsin Huei Huang
© Andrej Grilc
Hsin-Huei Huang

Die in Österreich lebende Pianistin Hsin-Huei Huang wurde in Taipei, Taiwan geboren. Sie erhielt ersten Klavierunterricht mit fünf Jahren und widmete sich neben dem Klavier auch dem Cellospiel. Später konzentrierte sie sich ausschließlich auf das Klavierspiel. Mit elf Jahren erfolgte ihr erster Auftritt mit Orchester. 1997 kam sie nach Europa und studierte Klavier bei Thomas Duis, Ayami Ikeba an der Kunstuniversität Graz und Hans Leygraf an der Universität Mozarteum Salzburg. Weitere künstlerische Anregungen verdankt sie unter anderem Dimitri Bashkirov, Pierre-Laurent Aimard, Karl-Ulrich Schnabel, Malcolm Bilson, Rudolf Kehrer und Johann Sonnleitner.

Bereits in ihren jungen Jahren zeigte sich ihre künstlerische Vielseitigkeit bei Aufführungen etwa von Wolfgang Rihms „Chiffre I – für Klavier und sieben Instrumente“, Olivier Messiaens „Oiseaux exotiques“ für Klavier und kleines Orchester, Bohuslav Martinus Konzert für Klaviertrio und Streichorchester, Paul Hindemiths „Konzertmusik für Klavier, Blechbläser und Harfen“, Francis Poulencs Konzert für zwei Klaviere und Orchester sowie Uraufführungen neuer Werke für Klavier solo und Orchester von Komponisten der jungen Generation.

Hsin-Huei Huangs Repertoire reicht von Bachs Werke bis hin zu ihrem leidenschaftlichen Einsatz für die Musik unserer Zeit. Dabei fasziniert sie besonders die Herausforderung, neue musikalische Wege zu beschreiten und interessante Inhalte und Ausdrucksformen zu vermitteln. Das Engagement für zeitgenössische Musik ist dokumentiert in ihrer persönlichen Zusammenarbeit mit Komponisten wie Beat Furrer, Bernhard Gander, Friedrich Cerha, Tristan Murail, Bernhard Lang u.a.

Hsin-Huei Huang pflegt eine rege Konzerttätigkeit sowohl als Solistin als auch als Kammermusikerin. Zu ihren Kammermusik Partnern gehören das Arditti-Quartett, das Stadler-Quartett und das Tetras-Quartett des Ensemble Klangforum Wien. Sie gastierte bei zahlreiche internationale Festivals, u.a. bei den Darmstädter Ferienkursen, der Salzburg Biennale, Beethovenfest Bonn, Kunstfest Weimar, Wien Modern, Ultraschall Berlin, Musikprotokoll Graz, Aspekte Salzburg, Biennale Zagreb, Klangspuren Tirol, Transart Bozen, Música de hoy Madrid, Tage für neue Musik Izmir, Festival für Neue Musik Wallis, und in Konzerthäusern wie Musikverein Wien, Wiener Konzerthaus, Mozarteum Salzburg, Kultur-Casino Bern, Auditorio Nacional Madrid, Izumi Hall Osaka oder Theater Salihara Jakarta. Hsin-Huei Huang arbeitet zusammen mit den Ensembles Klangforum Wien, Kammerensemble Neue Musik Berlin, Opera nova Zürich und mit den Orchestern Wiener Philharmoniker, Berner Symphonie Orchester, Orquestra Sinfonica de Radio Television Espanola unter der Leitung von Kent Nagano, Peter Eötvös, Ingo Metzmacher, Sylvain Cambreling, Matthias Pintscher und anderen bei Festivals wie Salzburger Festspiele, Zürcher Festspiele, Münchner Biennale, Wittener Tage für neue Kammermusik etc.

Zu einem Teil ihrer Arbeit zählt auch die Entwicklung von spartenübergreifenden Projekten in Zusammenarbeit mit Claudia Doderer (Licht-Raum Installation) und Ferdinand Schmatz (Dichter, Essayist). In der Produktion des Musiktheaters „Letzte Tage. Ein Vorabend“ unter Regie von Christoph Marthaler gastierte Hsin-Huei Huang 2013/2014 bei den Wiener Festwochen, dem Festival d`Automne Paris und der Staatsoper Unter den Linden Berlin. Weitere Mitwirkung bei einer Theaterproduktion unter Regie von Marthaler folgt 2019 beim Kunstfestival Ruhrtriennale.

Neben zahlreichen Rundfunkmitschnitten (ORF, SWR, DRS, Hessischer Rundfunk, Deutschlandfunk, Rai u.a.) nahm sie die ihr gewidmeten Kompositionen von Bernhard Gander bei KAIROS auf sowie Beat Furrers Klavierquintett „spur“ bei der Salzburg Biennale beim Label NEOS. Im 2016 erschien beim Label GOD ihre Schallplatte „SOLO“, auf der sie Klavierwerke von Bernhard Lang, Matthias Pintscher und Peter Savli eingespielt hat.

Neben ihrer künstlerische Tätigkeit gab Hsin-Huei Huang Gastkurse in Deutschland, Österreich und Asien. Sie gestaltete pädagogische Projekte, welche sich für die Vermittlung von zeitgenössischer Klaviermusik einsetzt.

Hsin-Huei Huang wurde mit dem Kranichsteiner Musikpreis Darmstadt ausgezeichnet.

Konzertsaal

Bürgerpalais Stutterheim, Innenhof

Bürgerpalais Stutterheim Blick von oben in den Innenhof bei einer Veranstaltung
Bürgerpalais Stutterheim Innenhof bei Tag

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