© Thomas Brill
Carydis Constantinos

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Frankfurter Opern- und Museumsorchester

(Francesco Piemontesi / Constantinos Carydis)

Dienstag, 17. März 2020, 20 Uhr
Programmeinführung 45 Minuten vor Konzertbeginn, Einlass 19 Uhr
Heinrich-Lades-Halle, Großer Saal
Rathausplatz 1, 91052 Erlangen

Constantinos Carydis, der Taktstocklose und introvertierte Exaltierte, trifft in Erlangen auf Francesco Piemontesi, den Mozartkenner und Mozartkönner. Top-Dirigent, Top-Solist und Top-Orchester – das verspricht ein Top-Konzert, das man nicht verpassen sollte.

Frankfurter Opern- und Museumsorchester
Francesco Piemontesi, Klavier
Constantinos Carydis, Leitung

Wolfgang Amadeus Mozart
Klavierkonzert Nr. 27 B-Dur KV 595

Dmitri Schostakowitsch
Sinfonie Nr. 10 e-Moll op. 93

 

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Francesco Piemontesi
© Marc Borggreve

Ein Top- Konzert in jeder Hinsicht

Da ist der griechische 45-jährige Dirigent Constantinos Carydis, der grundsätzlich ohne Taktstock dirigiert, sich jeglicher PR-Anfragen verweigert, und der 36-jährige Schweizer Pianist Francesco Piemontesi, der die „Große Oper“ liebt und ein wunderbar intelligenter, aufmerksamer Interviewpartner ist.

Beide eint die Liebe zu Mozart, besonders zu seinen Opern.

Von Mozarts letztem Klavierkonzert Nr. 27 in B-Dur werden die beiden Perfektionisten – denn das sind sie – eine herausragende Interpretation vorlegen.

Carydis kennt das Orchester, das Frankfurter Museums- und Opernorchester, gut, hat einige Opern mit diesem Orchester aufgeführt. Insgesamt ist der eigenwillige Freigeist ein vielgefragter Opern- und Konzertdirigent gleichermaßen. Carydis wird ganz oben gehandelt: Er hat an vielen großen Häusern wie beispielsweise in München, Salzburg, Wien, Edinburgh und Glyndebourne für Begeisterung gesorgt. Carydis fällt auf durch hitzige Tempi, durch Genauigkeit in scheinbar noch so winzigen Werkdetails. Die Musizierlust des sehnig-muskulösen Griechen wird schon auch mal als „Musizierwut“ bezeichnet: „Alles, was er tut, verwandelt sich in musikalisches Gold. Er ist hochgradig fantasievoll und scharfsinnig, akribisch in seiner Vorbereitung, gleich versiert in Opern und Sinfonik“, begeistert sich der amerikanische Kritiker Andrew Powell. Im Juni 2019 gibt Carydis sein Debut bei den Berliner Philharmonikern. Dort hat er zu zwei Mozart-Sinfonien zwei Schostakowitsch-Orchesterarrangements gewählt. Das bedeutet Kontrast im Programm, Kontrast im Klang und bestimmt künstlerische Hochspannung.

Mozart – Schostakowitsch, das sind auch die konträren Pole, die im Erlanger Konzert zu erleben sein werden.

Dmitri Schostakowitschs 10. Sinfonie macht „völlig platt“. Der Komponist Dmitri Schostakowitsch hat unter der Herrschaft des Stalin-Regimes gelitten, stand im angstvollen Zwiespalt, die Sowjetunion offiziell in einer Reihe sogenannter „internationaler Friedenskongresse“ vertreten zu müssen.

In seiner 10. Sinfonie aus dem Jahr 1953 wagte er es – nach Stalins Tod – seine Ängste und Erfahrungen mit dem grausamen russischen Diktator und seiner Herrschaft zu verarbeiten. In Scho­stakowitschs Memoiren ist zu lesen: „Ich konnte keine Apotheose auf Stalin schreiben, konnte es einfach nicht. Ich komponierte die Sinfonie unmittelbar nach Stalins Tod. Und niemand hat bis heute erraten, worum es in dieser Sinfonie geht: um Stalin und die Stalin-Ära. Der zweite Satz, ein Scherzo ist, grob gesagt ein musikalisches Porträt von Stalin. Natürlich enthält der Satz auch noch sehr viel anderes. Aber er basiert auf diesem Porträt.“

Das Mozart-Klavierkonzert des ersten Konzertteils wird schon allein deshalb spannend, weil ein großer, ein erfahrener Mozart-Interpret den Solopart übernimmt.

Der im Tessin aufgewachsene Francesco Piemontesi ist einer, der sich bei seinem Klavierspiel an Mozarts Opern orientiert, wenn er Mozart spielt. Und den spielt er oft und gerne. Der 36-jährige Schweizer hat viele Klavierkonzerte, alle Sonaten und Fantasien von Mozart gespielt, eingespielt.

Piemontesi faszinieren mehrere Aspekte an Mozart: „Diese apollinische Klarheit, dann dieses Gesangs- und Opernhafte, diese vielen Charaktere in der Musik. Genial ist diese Einfachheit der Schreibweise, vor allem in den späten Werken, wie etwa im letzten Klavierkonzert. Das ist sublimierte Einfachheit, unglaublich! Das klingt alles so leicht, aber man muss ganz große Arbeit leisten, damit es überhaupt klingt. Man hat viele Fragen zum Klang, der Phrasierung. Es ist keine Musik, die viel Freiheit lässt. Man muss wirklich hineintauchen: Was will diese Phrase, dieser Satz mir sagen? Und das muss man dann möglichst gut realisieren. Sie haben bei anderen Komponisten viel mehr Freiheiten. Sie können dort spielen, das geht bei Mozart nicht.“

Das Klavierkonzert Nr. 27, KV 595, ist Mozarts letztes Klavierkonzert. Er hat es kurz vor seinem Tod, 1791, komponiert. Bei solchen Werken stellt sich immer die Frage, ob es eine besondere Stellung einnimmt, ob sozusagen eine kompositorische Todesnähe spürbar, erkennbar ist.

Piemontesi meint: „1791 war ein Jahr, in dem Mozart wahnsinnig viel gemacht hat. Er lag nicht nur – wie man es aus dem Amadeus-Film kennt – auf dem Sterbebett. Das letzte Klavierkonzert hat er sogar noch einmal öffentlich gespielt. Im zweiten Satz gibt es in der Grundstimmung so etwas wie Abschied. Dort, am Ende, wo die Flöte unisono mit dem Klavier spielt. Das erzeugt bei mir so ein Bild, als würde Mozart seinen Koffer packen und uns an der Hand mitnehmen.“ (Piemontesi spielt die Phrase auf einem elektronischen Klavier vor.) „Das hat so eine Traurigkeit, das ist unglaublich einsam. Das sind Anzeichen. Andererseits ist der letzte Satz dann so fröhlich, dass es schwierig ist, das als Testament zu bezeichnen. Das ist bei Bartóks drittem Konzert anders. Dort ist es wirklich ein Testament mit dem Choral. Bartók starb drei Tage später.“

An solchen Aussagen lässt sich das genaue Hineinhorchen Piemontesis in Mozarts Sprache erkennen. Ohnehin hört man ihm gerne zu, gebannt von seinem Ausdruck.

Piemontesi schätzt als Mozartinterpreten Murray Perahia, mit dem er einige Werke studiert hat, und schwärmt von den späten Aufnahmen von Ingrid Haebler.

Lesen, vor allem aber Sport (Schwimmen, Radfahren) sind für den fleißigen und hochakkuraten Pianisten wichtige Gegenpole zu soviel sitzender und geistiger Profession: „Es ist wichtig, sich beweglich zu halten. Denn im Prinzip sind wir Hochleistungssportler auf dem Instrument. Man braucht eine bestimmte körperliche Spannung und Kondition, sonst gibt es schlimme körperliche Erscheinungen.“

Text: Sabine Kreimendahl

Francesco Piemontesi
© Marc Borggreve
Francesco Piemontesi

Kultiviert, technisch brillant und musikalisch feinsinnig: dies bringt auf den Punkt, was Francesco Piemontesi als Pianisten ausmacht. Geboren und aufgewachsen ist er in Locarno in der Schweiz, heute lebt er in Berlin und gilt als einer der herausragendsten Pianisten unserer Zeit. Piemontesi studierte zunächst bei Arie Vardi, später dann bei Alfred Brendel, Murray Perahia, Cécile Ousset und Alexis Weissenberg. Als Preisträger mehrerer renommierter Wettbewerbe erarbeitete er sich internationales Ansehen und wurde unter anderem 2009 zum „BBC New Generation Artist“ gekürt. Kennzeichnend für Francesco Piemontesis Spiel sind technische Perfektion, eine große klangliche Vielfalt sowie die Kultiviertheit und Individualität seiner Interpretationen. Neben dem Repertoire großer deutscher Komponisten liegen ihm auch die Werke von Debussy, Ravel, Liszt und Dvořák.

Einladungen renommierter Orchester führen Francesco Piemontesi durch die ganze Welt. So spielt er u.a. mit dem Cleveland Orchestra, dem Deutschen Symphonie-Orchester, den Münchner Philharmonikern und dem Gewandhausorchester Leipzig, den Sinfonieorchestern des Hessischen und Bayerischen Rundfunks, dem London Philharmonic Orchestra, dem BBC Symphony Orchestra, den LA Philharmonics und dem Orchester des Maggio Musicale Fiorentino zusammen. Zu seinen Partnern am Dirigentenpult zählen Marek Janowski, Sakari Oramo, Vasily Petrenko, Manfred Honeck, Robin Ticciati, Vladimir Ashkenazy und Charles Dutoit. Eine besonders enge musikalische Zusammenarbeit verbindet ihn mit den Dirigenten Sir Roger Norrington, David Afkham und Andrew Manze. Die "Settimane Musicali di Ascona" beriefen ihn im Jahr 2012 zum künstlerischen Leiter des Festivals, das er seither alljährlich mit seinem vollen Engagement und seiner Expertise betreut.

Neben seiner solistischen Tätigkeit widmet Francesco Piemontesi einen großen Teil seiner Arbeit der Kammermusik. Mit seinen ausgewogenen Kammermusik- und Rezitalprogrammen ist er in den großen Konzerthäusern (Amsterdam Concertgebouw, Rotterdam De Doelen, Carnegie Hall, Berliner Philharmonie, Tonhalle Zürich, Wiener Konzerthaus) und bei Festivals weltweit zu hören. Zu Beginn der Spielzeit 2018/2019 startet er einen Schubertzyklus in der Londoner Wigmore Hall und bei der Schubertiade.

Francesco Piemontesi legte bereits mehrere viel gelobte CD-Einspielungen vor. Daneben sind drei Aufnahmen beim Label Naïve Classique mit Klavierwerken von Mozart, Schumann und Dvoraks Klavierkonzert op. 33 veröffentlicht. Zuletzt erschien seine hochgelobte Einspielung der Liszts Années de pèlerinage kombiniert mit einer Dokumentation des französischen Filmemachers Bruno Monsaingeon bei Orfeo.

Höhepunkte der Saison 2018/2019 sind die Debüts mit dem Boston Symphony Orchestra, dem National Symphony Orchestra und der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen, sowie erneute Konzerte mit dem Orchestra dell'Accademia Nazionale di Santa Cecilia, den Royal Stockholm Philharmonics, der NDR Radiophilharmonie, dem Scottish Chamber Orchestra und dem Orchestre Philharmonique de Radio France.

Carydis Constantinos
© Thomas Brill
Constantinos Carydis

Constantinos Carydis wurde in Athen geboren. Nach dem Studium von Klavier und Musiktheorie am Athener Konservatorium schloss er sein Dirigierstudium in München an der Hochschule für Musik und Theater ab. Im Jahr 2011 wurde ihm der Carlos Kleiber-Preis der Bayerischen Staatsoper verliehen.

Als Operndirigent arbeitet Constantinos Carydis regelmäßig mit der Bayerischen Staatsoper und der Oper Frankfurt, außerdem am Royal Opera House Covent Garden, der Wiener Staatsoper, Staatsoper Berlin, de Nederlandse Opera, der Komischen Oper Berlin sowie der Opéra de Lyon. Festivalproduktionen führten ihn zum Edinburgh International Festival, dem Hellenic Festival in Athen, Enescu Festival in Bukarest und Settimane Musicali di Ascona.

Im Sommer 2018 leitete Constantinos Carydis eine Neuproduktion von Mozarts Zauberflöte mit den Wiener Philharmonikern bei den Salzburger Festspielen, im Januar 2019 folgt mit Händels Serse dann eine erneute Zusammenarbeit mit der Oper Frankfurt.

Weitere Engagements der Saison 2018/2019 führen Constantinos Carydis zur Deutschen Kammerphilharmonie Bremen für Konzerte in der Elbphilharmonie Hamburg sowie zum City of Birmingham Symphony Orchestra. Daneben wird er das Bayerische Staatsorchester in Akademiekonzerten leiten und mit dem Orchestra Sinfonica Nazionale della RAI, den Bamberger Symphonikern, dem Luzerner Sinfonieorchester und dem National Orchestra of Belgium arbeiten, bevor er die Saison mit seinem Debut bei den Berliner Philharmonikern beschließt.

Frankfurter Opern- und Museumsorchester
© Jürgen Friedel
Frankfurter Opern- und Museumsorchester

Mit seiner über zweihundertjährigen Geschichte zählt das Frankfurter Opern- und Museumsorchester zu den traditionsreichsten deutschen Ensembles. Als Orchester der bürgerlichen Frankfurter Oper gegen Ende des 18. Jahrhunderts entstanden, war es gleichzeitig das Konzertorchester des im Jahre 1808 gegründeten "Frankfurter Museums", eines Zusammenschlusses kultur- und kunstinteressierter Frankfurter Bürger – daher auch der ungewöhnliche Name "Museumsorchester". Kein geringerer als Louis Spohr war damals der zweite Chefdirigent des noch jungen Orchesters.

Mit den musikalischen Leitern des Frankfurter Opern- und Museumsorchesters verbinden sich große Namen wie Willem Mengelberg, Hermann Scherchen und Clemens Krauss, später dann Franz Konwitschny. Im späten 19. Jahrhunderts dirigierten Gustav Mahler, Richard Strauss, Arthur Nikisch und Hans Pfitzner. Johannes Brahms und Clara Schumann waren die prominentesten Solisten des Frankfurter Opern- und Museumsorchesters.

Noch heute ist die Frankfurter Museums-Gesellschaft Träger der renommierten Museumskonzerte. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts dirigierten hier Wilhelm Furtwängler, Hans Knappertsbusch, Hermann Abendroth, Erich Kleiber, Bruno Walter, Georges Szell und viele andere Berühmtheiten. Sowohl in der Oper als auch in den Konzerten wurden zahlreiche bedeutende Kompositionen uraufgeführt, darunter Ein Heldenleben und Also sprach Zarathustra von Richard Strauss. Paul Hindemith war für einige Jahre Konzertmeister des Frankfurter Opern- und Museumsorchesters. Nach dem zweiten Weltkrieg haben Georg Solti, Christoph von Dohnányi, Michael Gielen, Sylvain Cambreling und Paolo Carignani als Generalmusikdirektoren der Oper Frankfurt das Frankfurter Musikleben und das Museumsorchester nachhaltig geprägt. Seit der Saison 2008/2009 liegt die musikalische Leitung in den Händen von Sebastian Weigle.

Die stilistische Bandbreite des Frankfurter Opern- und Museumsorchesters umfasst alle bedeutenden Werke der Opern- und der sinfonischen Literatur, Barockmusik ebenso wie experimentelle zeitgenössische Kompositionen und dem Jazz anverwandte Werke. Darüber hinaus gestalten Musikerinnen und Musiker des Orchesters eine eigene Kammermusikreihe im Foyer des Opernhauses.

Konzertsaal

Heinrich-Lades-Halle

Heinrich-Lades-Halle Erlangen, Innen
© Detlef Overmann | EKM GmbH
Großer Saal, Heinrich-Lades-Halle
© Detlef Overmann | EKM GmbH

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