© Jonas Becker
Alice Sara Ott

FV

Stuttgarter Kammerorchester

(Alice Sara Ott/Jonathan Cohen)

Dienstag, 27. Oktober 2020, 20 Uhr
Keine Einführung
evtl. Maskenpflicht während des Konzerts
Heinrich-Lades-Halle, Großer Saal
Rathausplatz 1, 91052 Erlangen

ZAC-Rabatt

Musik verleiht Flügel! Das gilt für Alice Sara Ott im besonderen Sinne: Die zierliche Deutsch-Japanerin hat den Flügel zu ihrem symbiotischen Partner gemacht, dem sie mit erstaunlicher Kraft die wunderbarsten Töne entlockt.

Stuttgarter Kammerorchester
Alice Sara Ott, Klavier
Jonathan Cohen, Leitung

Ludwig van Beethoven
Klavierkonzert Nr. 3 c-Moll op. 37

Ludwig van Beethoven
Sinfonie Nr. 4 in B-Dur op. 60

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Alice Sara Ott
© Esther Haase / Deutsche Grammophone

Die sushisüchtige Starpianistin

„Ich würde den Flügel gerne umarmen“, sagt die deutsch-japanische Pianistin Alice Sara Ott, „aber das geht physisch leider nicht“, bedauert sie. Nein, das geht bei der zierlichen Deutsch-Japanerin, die in München aufgewachsen ist, wirklich nicht. Die symbiotische Verschmelzung klappt jedoch in klanglicher, in klaviertechnischer Hinsicht hervorragend: Da überzeugt die 32-Jährige mit verblüffender Perfektion. Kraftvoll und flink sind ihre durchtrainierten, schmalen Finger mit der Tastatur verbunden und das ist auch sichtbar, spürbar. Die Hände trainiert sie mit ungewöhnlichen Methoden: „Ich mache ständig etwas mit den Händen.“ So faltet sie in rasender Geschwindigkeit Origami-Figuren und erzählt dabei lebhaft. Unmittelbar vor ihrem Auftritt auf der Bühne knetet sie – ebenfalls in Hochgeschwindigkeit – den Rubik-Würfel durch: „Der macht mich locker und beweglich“, erklärt sie lachend, „denn im Gegensatz zu den meisten anderen Instrumentalisten haben wir Pianisten unmittelbar vor dem Bühnenauftritt kein Instrument zur Verfügung.“

Ihre „Sushi-Sucht“  - neben Schokolade und edlem Whiskey - hat nicht nur mit dem Gaumen, sondern auch mit den Händen zu tun. Sogar mit verbundenen Augen beherrscht sie die Kunst des Füllens, des Rollens der japanischen, lukullischen Kunstwerke.

Dennoch möchte sie ihre Charaktereigenschaften und Vorlieben an „keine Nationalität“ gebunden sehen. Geistig und künstlerisch frei will sie sein.

Erstaunlich ist auch ihre Übehaltung im halben Lotussitz auf dem Klavierhocker, zumindest solange sie ohne Pedal übt. Meistens spielt sie barfuß.

Ihre „Wunderkind“-Karriere nahm – im Gegensatz zu der ihrer ebenfalls pianistischen, jüngeren Schwester Mona Asuka (sie begann mit zwei Jahren) – „erst“ mit vier Jahren ihren rasanten Lauf über Wettbewerbe, hochrangige Auszeichnungen und Preise. Die Bezeichnung  „Wunderkind“ hört Alice Sara Ott ungern, denn sie wurde von der Mutter (einer Pianistin) nie zum Klavierspielen gezwungen: „Kreativität kann nur entstehen, wenn das freiwillig geschieht“, sagt die muntere Pianistin. Und kreativ sind ihre Programme, ihre Aufnahmen, ihre Stückauswahl: Sie zeichnen sie nicht nur im klassischen Repertoire als interessante und brillante Pianistin aus, sondern auch mit selbst arrangierten Samplern, wie einer Klavierfassung von Strawinskys „Sacre“ und Rimsky-Korsakows „Scheherazade“ . Sie liebt es präzise, rhythmisch zupackend, auch jazzig vertrackt, gern zusammen mit  dem Pianisten Francesco Tristano, zu musizieren und zu improvisieren. Das hat Spannung und Kraft, grandiose Spielfreude.

Im Februar dieses Jahres gab die Pianistin, die sich als „hellen Charakter“ bezeichnet, ihre Erkrankung an „Multipler Sklerose“ bekannt. Eine Welt sei für sie zunächst zusammengebrochen. Doch nun macht sie weiter, voller Elan und Zuversicht:

„Genauso wie ich mir sicher bin, die passende Therapie und den richtigen Ausgleich im Alltag zu finden, so bin ich auch voller Zuversicht, dass ich mein Leben wie bisher weiterführen werde. Ich freue mich sehr auf die kommenden Konzerte und Projekte. (…) Manchmal führt einen das Leben auf einen unerwarteten Pfad und ich stehe erst ganz am Anfang dieses neuen Weges. Dennoch glaube ich, dass es an uns liegt, was wir daraus machen.“

In Erlangen ist Alice Sara Ott zusammen mit dem fantastischen BBC Scottish Symphony Orchestra unter dem dänischen Dirigenten Thomas Dausgaard mit Beethovens drittem Klavierkonzert zu erleben. Es ist eines von Sara Otts „Paradewerken“ und passt als weiteres pianistisches Highlight perfekt ins „Beethoven-Jahr“ des gVe!

Text: Johanna C. Wilhelmi

Alice Sara Ott
© Esther Haase / Deutsche Grammophone
Alice Sara Ott

Alice Sara Ott ist wahrhaftig eine moderne Künstlerin unserer Zeit, die ihr Publikum immer wieder mit unterschiedlichen aufregenden Projekten begeistert. Nach der höchst
erfolgreichen Zusammenarbeit mit dem isländischen Komponisten Ólafur Arnalds im Rahmen von „The Chopin Project“, das zur Nummer Eins der offiziellen englischen Klassik-Charts und der iTunes-Charts in 25 Ländern aufstieg, wird sie in der Saison 2016/2017 unter dem Titel „Wonderland“ ihr achtes Album bei der Deutschen Grammophon veröffentlichen. Diese Aufnahme ist dem Werk Edvard Griegs gewidmet und umfasst neben dessen Klavierkonzert, aufgenommen mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunk unter der Leitung von Esa-Pekka Salonen, die „Lyrischen Stücke“ des Komponisten. Im Winter 2016 wird Alice Sara Ott das „Wonderland“-Projekt im Rahmen einer Tournee durch Japan vorstellen, u.a. in der Tokyo Opera City Concert Hall, sowie Anfang 2017 in Taiwan und China. Im Frühjahr wird sie das Programm in Europa präsentieren, u.a. in Berlin, München, Oslo, Stuttgart, Frankfurt und Düsseldorf.

Alice Sara Ott arbeitete mit den führenden Dirigenten und Orchestern der Welt, darunter Lorin Maazel, Gustavo Dudamel, Charles Dutoit, Pablo Heras-Casado, Paavo Järvi, Neeme Järvi, Ginandrea Noseda, Andrés Orozco-Estrada, Sakari Oramo, Osmo Vänskä, Vasily Petrenko, Myung-Whun Chung, Hannu Lintu und Robin Ticciati sowie Orchestern wie Los Angeles Philharmonic, Chicago Symphony, Royal Philharmonic und London Symphony Orchestra oder Wiener Symphoniker. In der laufenden Saison wird sie mit dem St. Petersburg Philharmonic Orchestra unter Yuri Temirkanov, mit dem Washingtoner National Symphony Orchestra unter Edo de Waart und dem Royal Scottish National Orchestra konzertieren. Daneben stehen Tourneen mit dem Philharmonia Orchestra unter Vladimir Ashkenazy sowie mit dem NDR Elbphilharmonie Orchester unter Krzystof Urbanski an.

Neben ihrer Konzerttätigkeit pflegt Alice Sara Ott enge Partnerschaft mit einigen der weltweit führenden Marken. So kreierte sie beispielsweise eine Kollektion hochwertiger Ledertaschen für JOST Bags, eine der ältesten und bekanntesten Ledermarken Deutschlands, die bei der Berliner Modewoche 2017 vorgestellt wird. Alice Sara Otts Designs beinhalten insbesondere Origami-Elemente, die ihre japanische Herkunft reflektieren, und auch das Innere der Taschen wird nach Ideen der Künstlerin gestaltet sein und ihre Handschrift tragen. Alice Sara Otts Leidenschaft für Origami kennzeichnet auch ihr neues Album, dessen gesamter Videoclip mit den Origami-Designs gestaltet ist. Das kreative Talent der Pianistin reicht bis hin zu Smartphones: Für LINE, eine der populärsten Kommunikations-Apps, kreierte sie ihren eigenen Sticker, der weltweit zum Download zur Verfügung steht.

Jonathan Cohen
© Marc Borggreve
Jonathan Cohen

Jonathan Cohen startete eine bemerkenswerte Karriere als Dirigent, Cellist und Pianist. Bekannt für seine Leidenschaft und sein Engagement für die Kammermusik ist Jonathan in so unterschiedlichen Bereichen wie der Barockoper und dem klassischen sinfonischen Repertoire gleichermaßen zu Hause. Er ist Künstlerischer Leiter von Arcangelo, Musikalischer Direktor von Les Violons du Roy, Künstlerischer Leiter des Tetbury Festival und Künstlerischer Partner des Saint Paul Chamber Orchestra.

In der Saison 19/20 wurde er erneut zum Orchestra of the Age Enlightenment (BBC Proms) und zur Handel Haydn Society eingeladen. Er feierte sein Debüt an der Staatsoper Berlin mit dem Freiburger Barockorchester und dem Vocalconsort Berlin in einer Inszenierung der Sasha Waltz Company. Weitere Debüts beinhalteten das Kobe City Chamber Orchestra und das Barcelona Symphony Orchestra, außerdem führte er seine ausgezeichnete Zusammenarbeit mit Les Violons du Roy in Quebec fort.

Jonathan Cohen gründete 2010 mit Arcangelo ein Ensemble, das selbst kreierte Programme auf höchstem Niveau plant. Mit ihm tourte er an bedeutenden Konzertorten wie zum Beispiel der Wigmore Hall London, der Philharmonie Berlin, der Kölner Philharmonie, dem Wiener Musikverein, den Salzburger Festspielen und auch der Carnegie Hall New York. Ihr Debüt bei den Proms gaben sie 2016 im Sam Wanamaker Playhouse. 2018 wurden sie mit Theodora erneut eingeladen und spielten in der Royal Albert Hall vor ausverkauftem Haus.

Arcangelo erweitert beständig seine Aufnahmen und erntete mit den jüngsten Veröffentlichungen wie "Arianna" mit Kate Lindsey für Alpha und Grammy-nominierten Buxtehude-Triosonaten großen Beifall.

Stuttgarter Kammerorchester
© Wolfgang Schmidt
Stuttgarter Kammerorchester

Das Stuttgarter Kammerorchester (SKO) feiert in der Spielzeit 2020/2021 sein 75-jähriges Bestehen. Das einst von Karl Münchinger ins Leben gerufene Orchester entwickelte seit seinen Anfängen eine unverwechselbare Klangkultur und wurde damit zu einem Vorbild für viele weitere Ensemblegründungen. Unter Dennis Russell Davies, dem Ehrendirigenten des SKO, öffnete sich das Orchester gezielt auch für die Musik der Gegenwart. Mit seinem Nachfolger Michael Hofstetter entwickelte der Klangkörper weitere Kompetenz auf dem Gebiet der historischen Aufführungspraxis, Matthias Foremny überraschte mit Ausgrabungen und der Lust an Talentförderung. Heute steht das SKO für die inspirierende Verbindung von Tradition und Pioniergeist. Mit Stuttgart und seiner Heimatregion ist das SKO durch Konzerte, Kooperationen und Projekte eng verbunden und begeistert als musikalischer Botschafter auf Tourneen und Gastspielreisen das Publikum auf der ganzen Welt. Seine umfassende Diskografie, darunter etliche Referenzaufnahmen, zeugt mit hochkarätigen Solisten und handverlesenen Programmen vom Weltrang dieses Ensembles.

Chefdirigent ist der international gefeierte Violinist und Dirigent Thomas Zehetmair. Künstlerischer Partner des Orchesters ist der renommierte Komponist, Dirigent und Klarinettist Jörg Widmann. Gemeinsam geben sie dem Stuttgarter Kammerorchester als musikalisches Führungsduo neue Impulse bei der Interpretation des breitgefächerten Repertoires vom Frühbarock bis zum 21. Jahrhundert und treten in einigen Konzerten auch als Solisten in Erscheinung. Das Orchester präsentiert sich sowohl als „SKO pur” in seiner Originalbesetzung mit 17 Streichern als auch in sinfonischer Besetzung z. B. für große romantische Werke. Für die Abo-Konzerte der Jubiläumsspielzeit konnten erstklassige Künstler wie Pierre-Laurent Aimard, Dejan Lazić und Heinz Holliger als Gäste gewonnen werden. Tourneen nach Russland, China und durch ganz Europa sowie Gastspiele in führenden Konzertsälen wie der Tonhalle Zürich, dem Concertgebouw Amsterdam und dem Konzerthaus Wien stehen ebenfalls auf dem SKO-Spielplan 2020/2021.

In den Sternstunden, der eigenen Konzertreihe des Stuttgarter Kammerorchesters im StadtPalais – Museum für Stuttgart, werden lustvoll Genregrenzen überschritten und programmatische Experimente gewagt. Strawinskys Ballettmusik „Apollon musagète” wird mit Werken und Choreografien aus der Zeit Ludwigs XIV. kombiniert. Der Pianist Gwilym Simcock, Shooting-Star der britischen Jazz-Szene, ist mit Bearbeitungen französischer Impressionisten und Jazz-Improvisationen zu erleben. In „Händel meets Hendrix” begegnen sich der Barockmeister und die Pop-Ikone der 60er Jahre in elektrisierenden Adaptionen für Streichorchester auf Augenhöhe. Auch die Uraufführungen von drei Auftrags-kompositionen von Gwilym Simcock, der Bach-Preisträgerin Adriana Hölszky und dem Jazz-Geiger Adam Bałdych zählen zu den Sternstunden dieser Jubiläumsspielzeit.

Auf dem sich ständig wandelnden Gebiet der Digitalisierung entdeckt das Stuttgarter Kammerorchester immer neue kreative Felder. Seit 2018 entstehen hier innovative Projekte mit Virtual Reality, Künstlicher Intelligenz, Music Games und Hologramm-Konzerten, die das klassische Fundament des Klangkörpers erweitern und dem Publikum bereichernde Erlebnisse bieten sollen.

Und auch das preisgekrönte Musikvermittlungsprogramm SKOhr-Labor bereitet mit maßgeschneiderten Projekten für Kinder und Jugendliche unterschiedlichster Herkunft den Weg in die Zukunft. In der Spielzeit 2020/2021 steht beispielsweise eine „Knastoper” mit jugendlichen Straftätern der JVA Adelsheim auf dem Programm.

Das Stuttgarter Kammerorchester wird gefördert vom Land Baden-Württemberg, der Stadt Stuttgart und der Robert Bosch GmbH sowie zahlreichen Projektsponsoren, Mäzenen und Spendern.

Konzertsaal

Heinrich-Lades-Halle

Heinrich-Lades-Halle Erlangen, Innen
© Detlef Overmann | EKM GmbH
Großer Saal, Heinrich-Lades-Halle
© Detlef Overmann | EKM GmbH

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