Khatia Buniatishvili - Artist of Reference

Schriftzug und Logo Khatia Bruniatishvili – Artist of Reference

KHATIA BUNIATISHVILI – die junge Löwin auf der Fährte von Martha Argerich? Keine Geringere als die Pianistin Martha Argerich, Beiname „die Löwin“, schwärmt von der jungen Kollegin: „KHATIA ist ein außergewöhnliches Talent, ich war beeindruckt von ihrer enormen pianistischen Begabung, ihrer natürlichen Musikalität, ihrem Einfallsreichtum und ihrer virtuosen Brillanz.“

Fotos: Gavin Evans / Sony Music Entertainment
Text: Sabine Kreimendahl

Khatia Buniatishvili am Klavier

Der Dämon

Sie ist brillant, liebt die düsteren Mächte von Franz Liszts Kompositionen, setzt sich über die technisch schwersten Werke von Rachmaninow, den Kraftakt von Mussorgkys „Bilder einer Ausstellung“, mühelos hinweg. Aufregend und spannend ist es mit der Künstlerin, die in dieser Erlanger Konzertsaison des gVe ideal die Rolle als „Artist of reference“ vertritt,  immer. Das liegt schon allein an der  eigenwilligen und faszinierenden Bühnenpräsenz, welche die temperamentvolle Georgierin ausstrahlt.

Das Auge isst bekanntlich mit. Das gilt nicht nur für lukullische Freuden, sondern auch im Konzert. Die Zeiten, in denen es genügte, dass ein Künstler (eine Künstlerin) gut spielte, sind vorbei. In Zeiten eines harten, globalen Wettbewerbs geht es um künstlerische Qualität genauso wie um die persönliche Darstellung, die Ausstrahlung.

Bei der Pianistin Khatia Buniatishvili stimmt beides. Die attraktive Georgierin mit Pariser Wahlheimat – sie besitzt seit 2017 die französische Staatsbürgerschaft –
macht und machte auf den großen Konzertbühnen auch mit ihrem Äußeren aufmerksam. Nicht von ungefähr ist sie Stil- und Werbe-Ikone für einen Champagner und andere Luxuskonsumgüter.

Warum macht sie das? Sie verdient genug in ihrem künstlerischen Beruf. Warum scheut Khatia Buniatishvili keine Form der Öffentlichkeit? In einem Interview des Bayerischen Rundfunks schlägt sich die Pianistin selbstbewusst gegenüber den teils unverschämten, oberflächlichen Fragen. Ihre Antwort ist ebenso einfach wie überzeugend: Sie hat äußerlich die Qualitäten eines Top-Models, ist gefragt, hat Spaß am Posing.

Khatia Buniatishvili Portrait mit Blick in die Kamera
Khatia Buniatishvili Portrait vor schwarzem Hintergrund

Darf das in der Klassik-Szene sein? Die Geigerin Anne-Sophie Mutter hat auch immer wieder mit ihrer glamourös-eleganten Ausstrahlung beeindruckt, ebenso die Blockflötistin Dorothee Oberlinger, um nur zwei großartige Musikerinnen mit Sex-Appeal anzuführen. Ist die Attraktivität einer Künstlerin verwerflich, wenn sie diese auch in ihrem Beruf als Musikerin zeigt, ausdrückt? Bedingt der Beruf, zumal der einer Solistin, nicht geradezu ein gewisses Ausmaß an Extrovertiertheit? Darf oder soll ein Musiker, eine Musikerin mit diesem zusätzlichen Kapital wuchern?

Letztlich bestimmen die Zeit und das Publikum, wen oder was es sehen und hören will. Khatia Buniatishvili gelingt durch ihre Persönlichkeit das „Crossover“ mit unterschiedlichsten Publikumskreisen. Sie ist in Talk-Shows und Quiz-Sendungen genauso gefragt wie bei seriösen Konzertveranstaltern.

Sie rechtfertigte sich in jenem „Verhör“ des BR – und es war ihr ein klein wenig peinlich –, dass sie mit den außerkonzertanten Einnahmen Familie und Freunde in ihrer Heimat Georgien unterstützt.

Prickeln erzeugt die rassige Pianistin, sobald sie die Bühne des Konzertsaals betritt: Das Publikum hält den Atem an, wenn sie im gewagten, hochgeschlitzten, leuchtend roten Abendkleid, kurvenreich und tief dekolletiert mit „High heels“ die Bühne betritt. Im Prinzip würde dieser „Catwalk“ auf der Konzertbühne genügen. Doch die Show geht weiter, beginnt erst richtig, wenn die 30-jährige „Femme fatale“ am Flügel Platz nimmt.

Die Pianistin spielt gestisch und mimisch exaltiert, wirft den Kopf zurück, lässt die Haare fliegen und legt los: „Ich zeige mich selbst, wie ich bin, und ich zeige alle Emotionen“, sagt sie und spielt wild und virtuos. „Das Publikum will meine Persönlichkeit und meine Interpretation erleben.“ Ihre Konzerte sind oft ausverkauft. Sie hat mit Martha Argerich und Gidon Kremer, Renaud Capucon und anderen Größen der Klassikbranche zusammen musiziert.

„Musik ist für mich konzentriertes Gefühl.
… Es ist nicht so wichtig, was andere analysieren, ich lebe es.“

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Khatia Buniatishvili lehnt an der Wand

Khatia Buniatishvili hat seit 2011 fünf CDs eingespielt, ist mit zwei ECHO-Klassikpreisen ausgezeichnet. Sie begann mit drei Jahren Klavier zu spielen, mit sechs trat sie das erste Mal mit Orchester öffentlich auf. Dennoch mag sie die Bezeichnung „Wunderkind“ nicht. Zusammen mit ihrer um ein Jahr älteren Schwester Gvantsa, ebenfalls Pianistin, tritt sie gelegentlich zusammen auf; die beiden Schwestern wohnen auch in Paris zusammen. Beide Töchter wurden von der Mutter maximal gefordert und gefördert: „Wir lebten in unserer eigenen Welt als Kinder“, räumt sie ein. Khatia unterbricht mit 12 die Schule für drei Jahre: Es ist ihr dort zu langweilig. Sie lernt trotzdem – fast nebenher – vier Fremdsprachen fließend (Englisch, Französisch, Russisch und Deutsch).

Sie bevorzugt romantisches Repertoire: Liszt, Chopin, Rachmaninow, Schumann, die großen „Brecher“, die schweren, virtuosen, brillanten Stücke. Die Kraft hat sie dazu – ähnlich wie ihre Kollegin Martha Argerich, mit Beinamen „die Löwin“.  Man glaubt es Khatia Buniatishvili aufs Wort, wenn sie sagt, sie hätte gerne mit Leonard Bernstein zusammengearbeitet, wäre in ihrem Leben gerne Rachmaninow, Dostojewski und Maria Callas begegnet. Das passt zu ihrem Statement, ihrer Gewissheit: „Ich wusste, ich werde es schaffen im Leben. Das bedeutet Freiheit und Freiheit ist alles“.

Mi, 07. November 2018, 20 Uhr,
Heinrich-Lades-Halle, Großer Saal