Nicola Benedetti

 

In wenigen Tagen beginnt die  neue Konzertsaison 2019/20 des gVe. Mit der Geigerin Nicola Benedetti ist für den Konzertauftakt ein Star gewonnen, der seit einigen Jahren weltweit Furore macht.

Es war ein ungewöhnlicher „Start up“, mit welchem  die 32-Jährige, die äußerlich mit Penelope Cruz und der jungen Brigitte Bardot verglichen wird, auf sich aufmerksam machte : Für den Barbiepuppen-Konzern Mattel spielte sie  2003, den Soundtrack zur DVD „Schwanensee-Barbie“ ein. Mattel nutzte das Aussehen der damals 16-Jährigen -  Schmollmund, lange Mähne, gertenschlanke, kurvige Figur  - für seine Werbezwecke und legte noch ein Feature über den schönen, hochmusikalischen Teenager bei. Mit 17 spielte sie beim „BBC Young Musician of the Year“ das Violinkonzert von Karol Szymanowski, gewann und wurde über Nacht berühmt.

Ein millionenschwerer Vertrag bei der „Deutschen Grammophon“ für sechs Alben zeitigte reiche Nachfrage auf den großen Konzertpodien weltweit. Der Ruhm beschert Nicola Benedetti, oft „Nicky“ genannt, immer wieder herausragende Instrumente. Zur Zeit spielt sie die Stradivari „Gariel“ von 1717, aus dem Besitz von Prinzessin Diana mit einem geschätzten Wert von zwei Millionen Pfund.  Prinz Charles hat Benedetti  dieses Frühjahr im Buckingham-Palace mit dem Orden „Commander of the Order of the British Empire“ geehrt.

Mit ihren CD´s stürmt sie nicht nur die Klassik-, sondern auch die Pop-Charts. Das ist auch ihre Mission: Die Klassik aus dem elitären Elfenbeinturm zu befreien.

 

Werner Heider freut sich über die Ehrenmitglieds-Medaille
© Simon Fowler

 

In Deutschland war Benedetti dieses Jahr nur beim Rheingau-Musikfestival zu erleben. Schön, dass es nun in Erlangen klappt, wo  sie - zusammen mit dem „Staatlichen Sinfonieorchester Estland“ unter der Leitung von Mihhail Gerts - das Sibelius Violinkonzert spielen wird. Das dürfte der musikantisch musizierenden Geigerin hervorragend liegen. Doch auch der zweite Teil des Konzerts wird mit Anton Bruckners berühmt-beliebter „Vierten“, der „Romantischen Symphonie“, ein glanzvoller Programmpunkt dieses Abends.

Es ist schwer, Nicola Benedetti, die attraktive 32-jährige schottische Geigerin mit italienischen Wurzeln, für ein Telefoninterview zu erreichen. Endlich – nach Monaten des Bemühens – klappt ein strikt einzuhaltender, zehnminütiger Termin.

Benedetti macht zum Zeitpunkt des Telefonats eine ihrer seltenen Pausen, erholt sich bei ihrer Familie, ist mit der Mutter in der schottischen Heimat zusammen. Das ist bei einem übervollen Stundenplan mit Proben, Reisen und Konzerten weltweit, Kursen, Vorträgen, dem Engagement für ihre Stiftung, Preisverleihungen dringend notwendig, wie sie selbst zustimmt. Gerade hat sie eine große Tournee  durch die USA und das Rheingau-Festival hinter sich. Nicola Benedetti ist freundlich-kühl, konzentriert und präzise in ihren Antworten. 

 

Werner Heider freut sich über die Ehrenmitglieds-Medaille
© Simon Fowler

 

gVe: Nicola, Sie konzertieren weltweit. Worin besteht der Unterschied zwischen den unterschiedlichen Publikumsgruppen?

NB: Es sind verschiedene Ausdrucksstärken, Ausdrucksarten bemerkbar: Mal ist der Applaus laut, mal leiser; in manchen Ländern steht das Publikum schnell auf. Aber das ist für mich nicht so bedeutsam in der Differenzierung. Ich brauche kein super wohlerzogenes Publikum, aber ich möchte spüren, dass sie engagiert an dem teilhaben, was ich mache. Dann bin ich zufrieden und glücklich.

gVe: Ende September kommen Sie ja nach Erlangen. Kennen Sie die Region Franken, die Stadt Erlangen?

NB: Ich war zwar noch nie da, aber ich habe mir schon Bilder davon angesehen, mich ein bißchen informiert.

gVe: Sie spielen ja das Sibelius-Violinkonzert in Erlangen. Was bedeutet dieses Werk für Sie?

NB: (Sie seufzt auf) Oh, das ist ganz bestimmt eines der ganz großen Violinkonzerte, extrem romantisch und sehr, sehr emotional. Es ist sozusagen ein sehr offenherziges Werk. Es ist  charakteristisch für das Land, für das es steht (Finnland). Man kann die Landkarte, die Landschaft und die Menschen, die da leben, sehen. Technisch ist das Sibelius-Konzert sehr wechselreich, anspruchsvoll und es erfordert Leidenschaft.

gVe: Gibt es so etwas wie ein Lieblings-Violinkonzert für Sie, gehört das Sibelius-Konzert dazu oder ändert sich das je nach zu spielendem Repertoire?

NB: Das ist eine schwer zu beantwortende Frage. Manchmal denke ich, das ist jetzt das Schönste, was ich je gespielt habe. In Wirklichkeit ist es wohl so, dass jeweils das, was ich spiele, für mich immer das großartigste Stück ist. Ich lasse mich jedesmal vom Werk selbst überraschen. Diese Woche ist dieses Werk das großartigste, nächste Woche, das Stück, das ich dann gerade spiele.

gVe: Sie spielen zusammen mit dem Sinfonieorchester Estland unter dem Dirigenten Mihhail Gerts. Kennen Sie das Orchester, den Dirigenten?

NB: Nein, es wird mein erstes Mal mit diesen beiden sein.

gVe: Ihre Mutter ist Schottin, Ihr Vater Italiener, Sie studierten und arbeiten viel in England.

Als was fühlen Sie sich mehr: Als Schottin, als Italienerin, als Britin?

NB: Oh (sie überlegt und dann kommt es entschlossen:) Als Schottin!

gVe: Verbringen Sie manchmal auch Ihre Ferien in Italien?

NB: Ich arbeite in Italien öfter beruflich und ich verbringe da auch gerne die Ferienzeit.

gVe: Sie haben die „Benedetti Foundation“ gegründet. Dort geht es um die musikalische Arbeit, um Orchesterspiel mit Kindern und Jugendlichen. Warum halten Sie das für wichtig?

NB: Ich weiß es nicht. Ich könnte nun 100 verschiedene Dinge anführen. Es ist eine tief in mir verwurzelte Überzeugung: Musik hat so viel Aussagekraft, so viel Feingefühl, solch eine Kreativität und Schönheit. Ich denke einfach, Musik ist eine wunderbare Ergänzung zu unserer nüchternen Alltagswelt.

gVe: Würden Sie sich als glückliche Frau bezeichnen?

Gibt es Wünsche in beruflicher, persönlicher und menschlicher Hinsicht? Was würden Sie gerne verändern?

NB: (überlegt, zögert) Ja, doch, ich denke, ich bin ziemlich glücklich. Und ich würde mir für die Menschen wünschen, dass sie wahrhaftiger wären und ein bißchen mehr aufwachen würden. Es gibt so grenzenloses Unrecht auf der Welt und vieles läge in unserer Macht, das zu ändern. Ich möchte beruflich immer wieder mein Spiel verbessern, meine Konzentration und ich würde gerne meinen Stundenplan besser organisieren (lacht). Meine Strategie dabei ist nicht immer perfekt.

gVe: Gibt es noch andere Hobbies, Interessen nach der Musik, nach der Violine?

NB: Es bleibt nicht mehr so viel Zeit für anderes. Aber ich interessiere mich für Politik und soziale Projekte, ja, wirklich.

gVe: Praktizieren Sie irgendeine Sportart zum Ausgleich?

NB: (lacht laut) Nein! Ein ganz kleines bißchen Pilates-Training manchmal.

gVe: Vielen Dank für das Gespräch, wir freuen uns auf das Konzert mit Ihnen!

Von Sabine Kreimendahl

 

 

Werner Heider freut sich über die Ehrenmitglieds-Medaille
© Kevin Westenberg

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